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Volontariat - Studium - Praktikum - Ausbildung Alles rund um die Ausbildung in den Medienberufen. Volontariat, Studium der Journalistik & Kommunikationswissenschaft, Praktikum

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Alt 30.04.2011, 00:15   #1
Julian91
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Standard Fachabiturient mit dem Ziel: Journalist

Guten Abend,

ich bin 19 Jahre alt und besuche derzeit den sozialen Zweig einer Fachoberschule in Bayern und werde in etwa einem Monat das Fachabitur machen. Im Rahmen der Schuleausbildung habe ich jeweils ein halbes Jahr in einem Krankenhaus und einem Kindergarten Praktika absolviert, jedoch noch nie bei einer Zeitung oder Ähnlichem.
Ich bin mir sehr sicher, dass ich Journalist werden möchte, weil ich mich schon immer brennend für das aktuelle Weltgeschehen und die Zusammenhänge interessiert habe.

Nur frage ich mich jetzt, wie realistisch hier meine Chancen sind, da ich schließlich "nur" Fachabitur habe und auch bis jetzt noch keine Praktika in dem Bereich.
Hier im Forum sind ja viele Leute unterwegs, die sich schon oft beworben haben und auch schon sicher die verschiedensten Wege zum Traumberuf des Journalisten gegangen sind.

Um mal zum Punkt zu kommen: Was wäre für jemanden wie mich der beste Weg um zu einer ordentlichen Journalisten-Ausbildung zu kommen?

Ein Journalismus-Studium an einer Fachhochschule?

Das ist die vielleicht naheliegendste Möglichkeit. In meiner Nähe befindet sich die Fachhochschule Ansbach, wo man "Ressortjournalismus" studieren kann. Das scheint mir doch eine gute Möglichkeit für den Einstieg zu sein.

Eine Bewerbung an einer Journalistenschule?

Ich habe schon einige der Wissenstests der größten Journalistenschulen gemacht und konnte dabei gut 60 - 70% der Fragen ohne Vorbereitung richtig beantworten. Über das aktuelle Jahr würde ich sicher noch mehr wissen, die anderen Tests waren ja teilweise schon einige Jahre alt.
Ist es überhaupt realistisch, gleich auf einer Journalistenschule einzusteigen - davon ausgegangen man besteht die Aufnahmetests - wenn man noch kein Studium und keine Praktika absolviert hat?

Vielen Dank, wenn sich jemand die Mühe gemacht hat, das hier durchzulesen und mir vielleicht ein paar gute Ratschläge geben kann.

Julian
Julian91 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 30.04.2011, 20:07   #2
punky
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Standard AW: Fachabiturient mit dem Ziel: Journalist

Zitat:
Zitat von Julian91 Beitrag anzeigen
Vielen Dank, wenn sich jemand die Mühe gemacht hat, das hier durchzulesen und mir vielleicht ein paar gute Ratschläge geben kann.
Mach dir bitte die Mühe, die gefühlten 1001 anderen Threads zu diesem Thema durchzulesen. Wenn du dann noch ganz konkrete Fragen hast, macht sich sicher auch jemand die Mühe zu antworten.
punky ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.05.2011, 15:50   #3
Miriam86
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Standard AW: Fachabiturient mit dem Ziel: Journalist

Mach erstmal zwei, drei Praktika. Ohne Praktikum wirst du bei JEDER Bewerbung sofort aussortiert. Du kannst ja gar nicht wissen, dass du Journalist werden willst, wenn du keine Ahnung hast, wie Journalisten in der Praxis arbeiten. Also: Bei der Lokalzeitung anfragen.

Und zum Studium gibt es hier tatsächlich etlich Threads: Studier, was dir Spaß macht, denn auf die Art des Studiums kommt es im Journalismus später eh nicht an. Hauptsache du hast irgendwas studiert. Wichtig ist Praxiserfahrung und die kriegst du nur, wenn du schnellstens damit anfängst. Also die nächsten Ferien für ein Praktikum reservieren, dann freie Mitarbeit usw.
Miriam86 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.05.2011, 17:00   #4
Iris68
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Renommee-Modifikator: 13 Iris68 wird positiv eingeschätzt
Standard AW: Fachabiturient mit dem Ziel: Journalist

Ich war am Samstag gerade bei der Jahreshauptversammlung von Berkshire Hathaway und Warren Buffett in Omaha. Dabei lernte ich eine junge Journalistin kennen, die im New-York-Büro einer deutschen Tageszeitung arbeitet.

Auf der abschließenden Pressekonferenz am Sonntag mit Warren Buffett brillierte diese Kollegin vor 40 gestandenen Finanz-Journalisten aus aller Welt durch präzise Fragen an Warren Buffett, die hohe Sachkunde verrieten. Und das auch noch in perfektem Englisch!

Sie erzählte mir, dass sie an der Kölner Journalistenschule und an der Kölner Uni Journalismus und Volkswirtschaft studiert habe und nun schon seit 2 Jahren für die Zeitung in New York arbeitet.

Im Internet las ich ihre Artikel. Einfach nur fantastisch. Die Frau (meiner Schätzung nach um die 27 Jahre alt) schreibt super, findet super Themen und liefert massenhaft einfach gute Geschichten. Alles aus dem Umfeld Wirtschaft.

Und dann der Schock: Selbst diese wirklich gute Journalistin bekommt „nur“ Pauschale. Keine feste Anstellung.

Jetzt frage ich mich, was wäre, wenn diese Kollegin statt Volkswirtschaft Germanistik oder Medienwissenschaft studiert hätte. Was würde die dann jetzt tun?

Wahrscheinlich in Deutschland einem Praktikum nach dem anderen hinterherrennen oder mit großer Dankbarkeit bei einem deutschen Provinzblatt oder einer kleinen Zeitschrift volontieren.

Bei der jungen Journalistin aus New York bin ich mir ziemlich sicher, dass sie eine überdurchschnittliche Karriere macht. Ob dagegen die Germanistin oder Medienwissenschaftlerin jemals aus der Mittelmäßigkeit herauskommt, da bin ich mir nicht so sicher.

Ich glaube also überhaupt nicht, dass es egal ist, was man für diesen Beruf studiert und womit man in jungen Jahren seine Zeit vergeudet.

Geändert von Iris68 (03.05.2011 um 17:16 Uhr).
Iris68 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.05.2011, 22:35   #5
punky
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Standard AW: Fachabiturient mit dem Ziel: Journalist

Ich bekomme nach den Unterhaltungen, die ich in letzter Zeit mit anderen jungen Journalisten/Volos hatte, mehr und mehr den Eindruck, dass man gerade bei den kleineren Zeitungen noch eher die Chance hat, übernommen zu werden, weil die a) versuchen nach Bedarf auszubilden und b) in der Provinz nicht besonders attraktiv sind für Leute, die nicht aus der entsprechenden Gegend stammen.
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Alt 04.05.2011, 14:37   #6
turtle 04
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Standard AW: Fachabiturient mit dem Ziel: Journalist

Zitat:
Zitat von Iris68 Beitrag anzeigen
Ich war am Samstag gerade bei der Jahreshauptversammlung von Berkshire Hathaway und Warren Buffett in Omaha. Dabei lernte ich eine junge Journalistin kennen, die im New-York-Büro einer deutschen Tageszeitung arbeitet.

Auf der abschließenden Pressekonferenz am Sonntag mit Warren Buffett brillierte diese Kollegin vor 40 gestandenen Finanz-Journalisten aus aller Welt durch präzise Fragen an Warren Buffett, die hohe Sachkunde verrieten. Und das auch noch in perfektem Englisch!

Sie erzählte mir, dass sie an der Kölner Journalistenschule und an der Kölner Uni Journalismus und Volkswirtschaft studiert habe und nun schon seit 2 Jahren für die Zeitung in New York arbeitet.

Im Internet las ich ihre Artikel. Einfach nur fantastisch. Die Frau (meiner Schätzung nach um die 27 Jahre alt) schreibt super, findet super Themen und liefert massenhaft einfach gute Geschichten. Alles aus dem Umfeld Wirtschaft.

Und dann der Schock: Selbst diese wirklich gute Journalistin bekommt „nur“ Pauschale. Keine feste Anstellung.

Jetzt frage ich mich, was wäre, wenn diese Kollegin statt Volkswirtschaft Germanistik oder Medienwissenschaft studiert hätte. Was würde die dann jetzt tun?

Wahrscheinlich in Deutschland einem Praktikum nach dem anderen hinterherrennen oder mit großer Dankbarkeit bei einem deutschen Provinzblatt oder einer kleinen Zeitschrift volontieren.

Bei der jungen Journalistin aus New York bin ich mir ziemlich sicher, dass sie eine überdurchschnittliche Karriere macht. Ob dagegen die Germanistin oder Medienwissenschaftlerin jemals aus der Mittelmäßigkeit herauskommt, da bin ich mir nicht so sicher.

Ich glaube also überhaupt nicht, dass es egal ist, was man für diesen Beruf studiert und womit man in jungen Jahren seine Zeit vergeudet.
Hallo Iris,

ich freue mich ja jedes Mal, wenn du deine Erfahrungen mit uns teilen möchtest - aber ist es so schwierig sich auch nur ansatzweise am Threadthema zu orientieren?

Nichts für ungut, beste Grüße
turtle 04 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 04.05.2011, 15:08   #7
christine
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Standard AW: Fachabiturient mit dem Ziel: Journalist

Hat Iris doch. Sie hat darauf reagiert

Zitat:
Zitat von Miriam86 Beitrag anzeigen
Studier, was dir Spaß macht, denn auf die Art des Studiums kommt es im Journalismus später eh nicht an. Hauptsache du hast irgendwas studiert.
und das Beispiel der Wirtschaftsjournalistin erläutert, die an der Kölner Journalistenschule war, um am Ende ein sehr eindeutiges Statement zur Bedeutung der Studienwahl abzugeben:

Zitat:
Zitat von Iris68 Beitrag anzeigen
(...) Selbst diese wirklich gute Journalistin bekommt „nur“ Pauschale. Keine feste Anstellung. Jetzt frage ich mich, was wäre, wenn diese Kollegin statt Volkswirtschaft Germanistik oder Medienwissenschaft studiert hätte. Was würde die dann jetzt tun?

Wahrscheinlich in Deutschland einem Praktikum nach dem anderen hinterherrennen oder mit großer Dankbarkeit bei einem deutschen Provinzblatt oder einer kleinen Zeitschrift volontieren.

Bei der jungen Journalistin aus New York bin ich mir ziemlich sicher, dass sie eine überdurchschnittliche Karriere macht. Ob dagegen die Germanistin oder Medienwissenschaftlerin jemals aus der Mittelmäßigkeit herauskommt, da bin ich mir nicht so sicher.

Ich glaube also überhaupt nicht, dass es egal ist, was man für diesen Beruf studiert und womit man in jungen Jahren seine Zeit vergeudet.

Geändert von christine (04.05.2011 um 15:38 Uhr). Grund: .
christine ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 04.05.2011, 15:13   #8
christine
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Standard AW: Fachabiturient mit dem Ziel: Journalist

@ punky: Dein Eindruck dürfte stimmen - die Frage ist nur, zu welchen Bedingungen man übernommen wird und ob das dann auf Dauer ist. Wer diesen Weg geht, kann sich heute auch nicht mehr sicher sein, auf diesem Posten dann alt zu werden. Es wird bei den lokalen und regionalen Tageszeitungen noch weitere Konzentrationsbewegungen geben. Nicht alle Blätter werden überleben (gilt auch für überregionale Tageszeitungen, wie man sieht).
christine ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 04.05.2011, 16:34   #9
turtle 04
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Standard AW: Fachabiturient mit dem Ziel: Journalist

Danke, christine, und Verzeihung vielmals, Iris. Da hatte ich mich doch glatt von der schönen Rahmengeschichte einlullen lassen.
turtle 04 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 04.05.2011, 16:41   #10
Iris68
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Renommee-Modifikator: 13 Iris68 wird positiv eingeschätzt
Standard AW: Fachabiturient mit dem Ziel: Journalist

@ punky: Ich stimme Dir zuerst 100%-ig zu. Bei kleinen Tageszeitungen zu arbeiten macht sogar Riesenspaß. Aber das kann sich eben auch – wie auch Christine sagt – sehr schnell ändern.

Die junge Journalistin, die ich da traf, wird auch als 50-jährige oder 60-jährige eine Topp-Fachkraft auf einem Fachgebiet sein, das viele Medien und viele Leser interessiert. Und sie könnte problemlos auch in London oder Frankfurt arbeiten.

Aber schon die 35-jährige Redakteurin, die nach 10 Jahren ihren Job bei einer Regionalzeitung verliert, wird größte Schwierigkeiten haben, woanders einen gleichwertigen Job zu finden. Vor allem dann, wenn sie auch noch Fächer wie Germanistik studiert hat. Sie ist großenteils nur auf Ihre Region spezialisiert.

Was mir in meiner Anfängerzeit bei einer großen Regionalzeitung immer weniger gefiel, war diese totale Abhängigkeit vom Verlag. Die bestimmen, wo Du Deine Abenden und Wochenenden verbringst. Die können Dich von heute auf morgen an einen 200 Kilometer entfernten Ort versetzen.

Mich störte auch die Tatsache, dass ich leicht austauschbar war. Die Finanzjournalistin, die ich kennenlernte, ist in zehn Jahren nicht so leicht austauschbar. Je mehr Geschichten sie schreibt und je mehr Erfahrungen und Kontakte sie sammelt, desto schwieriger ist sie austauschbar.

Diese schnelle Suche danach, übernommen zu werden, ist auch eine gefährliche Falle. Eine junge Nachwuchskraft wird noch relativ leicht übernommen, weil sie preiswert und noch „leicht formbar“ (=ausbeutbar) ist. Verliert sie dann aber nach 10 Jahren den Job und ist nicht auf ein attraktives Fachgebiet spezialisiert, hat sie größte Probleme, etwas Neues zu finden.

Vor einiger Zeit wurde ich hier im Forum scharf kritisiert, weil ich die Geschichte einer Uni-Absolventin beschrieb, die sich von Praktikum zu Praktikum hangelte. Zuletzt machte sie ein Praktikum bei einer großen Regionalzeitung, weil ihr wie Hunderten anderen Bewerbern auch, ein Volontariat in Aussicht gestellt wurde.

Kürzlich traf ich sie wieder. Das Arbeitsamt hat sie zur Buchführungs-Lehrerin umgeschult. Und die 32-jährige Geschichte-M.A. ist sogar glücklich damit: „Endlich mal was Festes“.

Geändert von Iris68 (04.05.2011 um 16:58 Uhr).
Iris68 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 04.05.2011, 19:46   #11
punky
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Standard AW: Fachabiturient mit dem Ziel: Journalist

Ich sehe in den Lebensläufen keine so großen Unterschiede. Die junge Top-Journalistin in NY wird offensichtlich auch ausgebeutet und hat nix festes. Sie ist genauso austauschbar. Und die Lokalredakteure sind genauso gut oder schlecht austauschbar - die sind Speziallisten für ihren Ort bzw. für Lokalgeschichten im Allgemeinen.
Die Frage ist auch (und war zurecht, egal ob in NY oder in Hintertupfingen) wie flexibel man mit 40, 45 Jahren überhaupt noch sein. Es ist unter den Arbeitbedingung Pauschalist/Jahresverträge etc. wahnsinnig schwer, irgendwo eine Beziehung zu führen oder eine Familie zu gründen. An einem Ort bleiben kann der Nachwuchsjournalist heute fast nur als Freier, wenn man das selbst entscheidet.
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Alt 05.05.2011, 00:24   #12
EinSchwabe
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Standard AW: Fachabiturient mit dem Ziel: Journalist

Ich denke, nachdem man fertig studiert hat, sollte man höchstens ein Jahr lang nur Praktika machen. Wer mehr macht, ist eigentlich selbst schuld.
Aber sind die Aussichten für ausgebildete Redakteure wirklich so schlecht? Es gibt ja auch noch Pressestellen oder medienaffine Stellen.

Schlimmer finde ich den Kampf um Honorare und Volos.

Dass man als vernetzter Lokalredakteur völlig austauschbar ist, finde ich auch nicht.

Und was soll man dann als Nachwuchsjournalist studieren? VWL ist auch keine Sache, die allen liegt und gefällt. Ich halte auch viele VWL-Modelle für sehr unrealistisch. Der Ratschlag der Weisen kann es also nicht sein, VWL zu studieren.

Und zum Thema Abhängigkeit: Liebe Iris, aber glaubst du, nur Redakteure von Regionalzeitungen sind abhängig?


Zitat:
Zitat von Iris68 Beitrag anzeigen
@ punky: Ich stimme Dir zuerst 100%-ig zu. Bei kleinen Tageszeitungen zu arbeiten macht sogar Riesenspaß. Aber das kann sich eben auch – wie auch Christine sagt – sehr schnell ändern.

Die junge Journalistin, die ich da traf, wird auch als 50-jährige oder 60-jährige eine Topp-Fachkraft auf einem Fachgebiet sein, das viele Medien und viele Leser interessiert. Und sie könnte problemlos auch in London oder Frankfurt arbeiten.

Aber schon die 35-jährige Redakteurin, die nach 10 Jahren ihren Job bei einer Regionalzeitung verliert, wird größte Schwierigkeiten haben, woanders einen gleichwertigen Job zu finden. Vor allem dann, wenn sie auch noch Fächer wie Germanistik studiert hat. Sie ist großenteils nur auf Ihre Region spezialisiert.

Was mir in meiner Anfängerzeit bei einer großen Regionalzeitung immer weniger gefiel, war diese totale Abhängigkeit vom Verlag. Die bestimmen, wo Du Deine Abenden und Wochenenden verbringst. Die können Dich von heute auf morgen an einen 200 Kilometer entfernten Ort versetzen.

Mich störte auch die Tatsache, dass ich leicht austauschbar war. Die Finanzjournalistin, die ich kennenlernte, ist in zehn Jahren nicht so leicht austauschbar. Je mehr Geschichten sie schreibt und je mehr Erfahrungen und Kontakte sie sammelt, desto schwieriger ist sie austauschbar.

Diese schnelle Suche danach, übernommen zu werden, ist auch eine gefährliche Falle. Eine junge Nachwuchskraft wird noch relativ leicht übernommen, weil sie preiswert und noch „leicht formbar“ (=ausbeutbar) ist. Verliert sie dann aber nach 10 Jahren den Job und ist nicht auf ein attraktives Fachgebiet spezialisiert, hat sie größte Probleme, etwas Neues zu finden.

Vor einiger Zeit wurde ich hier im Forum scharf kritisiert, weil ich die Geschichte einer Uni-Absolventin beschrieb, die sich von Praktikum zu Praktikum hangelte. Zuletzt machte sie ein Praktikum bei einer großen Regionalzeitung, weil ihr wie Hunderten anderen Bewerbern auch, ein Volontariat in Aussicht gestellt wurde.

Kürzlich traf ich sie wieder. Das Arbeitsamt hat sie zur Buchführungs-Lehrerin umgeschult. Und die 32-jährige Geschichte-M.A. ist sogar glücklich damit: „Endlich mal was Festes“.
EinSchwabe ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.05.2011, 06:35   #13
Iris68
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Standard AW: Fachabiturient mit dem Ziel: Journalist

Grundsätzlich stellt sich die Frage, was es jemandem nutzt, wenn sich auf seine Frage sofort eine Horde von 25-jährigen stürzt, von denen noch keiner seinen Lebensunterhalt mit Journalismus verdient hat, sondern lediglich davon träumt.

Was nutzt es einem 19-jährigen, wenn ihm eine Studentin oder ein Student erzählt, welche Ausbildung im Journalismus den meisten Erfolg bringt – wenn die Ich-weiß-alles-Berater diesen Erfolg selbst noch längst nicht haben und vielleicht nie haben werden?

Ich habe nicht das geringste Interesse daran, jemanden zu einer Ausbildung zu überreden. Ich bin auch kein Wissenschaftler, der hier perfekte Ausbildungswege vertritt...

Ich will lediglich die Erfahrungsberichte ehrlich weitergeben, die ich selbst als Berufsanfänger dringend erhofft aber nur sehr selten bekommen habe.

Und schließlich ist das ein Journalisten-Forum, kein Studenten- und Praktikanten-Forum. Es schaut komisch aus, wenn hier grundsätzlich die Studenten, Volontäre und Praktikanten die Journalisten belehren.
Iris68 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.05.2011, 08:58   #14
punky
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Standard AW: Fachabiturient mit dem Ziel: Journalist

Mag sein, dass sich gerade in diesem Unterforum viele U-30er tummeln. Das heißt aber nicht, dass sie keine Ahnung haben. Auch mit 25 kann man schon ein paar Jahre frei gearbeitet haben, Praktika absolviert haben und mit vielen anderen Journalisten gesprochen haben. Da das hier ein Ausbildungs-Forum ist, finde ich es auch ganz logisch, dass Leute antworten, die etwa im gleichen Alter sind.
(Ganz ehrlich, zum Beispiel mein Lokalchef hat glaub ich weniger Plan, unter welchen Arbeitsbedingungen andere arbeiten, als ich. Der und seine Redakteure sitzen seit Jahren fest in ihren Sesseln. Er war ganz erstaunt, dass die meisten nur noch Jahresverträge bekommen.)

Wenn dann noch ein paar wie du oder Christine dazu kommen - umso besser!
Leider nehmen sich da nicht so viele erfahrenere Kollegen die Zeit für.
punky ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.05.2011, 13:34   #15
christine
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Standard AW: Fachabiturient mit dem Ziel: Journalist

Zitat:
Zitat von punky Beitrag anzeigen
Die junge Top-Journalistin in NY (...) ist genauso austauschbar. Und die Lokalredakteure sind genauso gut oder schlecht austauschbar - die sind Speziallisten für ihren Ort bzw. für Lokalgeschichten im Allgemeinen.
Ich sehe da schon noch ein paar Unterschiede. Ja, die junge Wirtschaftsjournalistin ist frei, lebt aber in der Stadt, in der sie vermutlich leben möchte. Und sie sammelt Kontakte und Expertenwissen, das eben nicht so viele haben und sehr viel vielseitiger einsetzbar ist - das heißt, für mehr Auftraggeber - als es die "Spezialisten für ihren Ort" könnten. Und auch als "Spezialist für Lokalgeschichten" haben sie es schwer, sollten sie sich ab einem gewissen Alter einen neuen Job suchen müssen. Wer mit Anfang 40 kein Ressort- oder wenigstens Büroleiter* ist, hat es da einfach schwer auf dem Arbeitsmarkt. Ist ja nicht so, dass in den Pressestellen unendlich viele Schreibtische frei sind. Und von solchen Dingen wie Budgetverwaltung, Kampagnenplanung usw. hat ein durchschnittlicher Redakteur meistens keine Ahnung.

Da nützt dann auch die viel beschworene Flexibilität nicht unbedingt. Der Mittelbau in den Redaktionen bricht, wie schon oft gesagt, weg, und jüngere Kollegen sind eh billiger. Anderswo gibt es meistens schon genügend Lokalspezialisten vor Ort (Pauschalisten, fertige Volos), die eine frei werdende Stelle ebenfalls gern übernehmen und sich in der Gegend bereits auskennen.

Junge Journalisten sind übrigens das Titelthema des aktuellen "journalist", dafür haben sie auch eine kleine Umfrage bei Chefredakteuren, Ausbildungsleitern und Journalistentrainern gemacht. Einige der Aussagen sind ganz interessant, zum Beispiel die, dass die Lebensläufe des Nachwuchses ähnlicher geworden seien, oft ständen viele Praktika, gerne auch im Ausland darin, aber es fehle an journalistischer Erfahrung.

Ich habe das teilweise auch schon beobachtet, da werden Praktika gesammelt wie Briefmarken, aber zwischendurch nicht journalistisch gearbeitet. Immer wieder stelle ich bei Praktikanten, ganz besonders aber hier im Forum, auch eine gewisse Unbedarftheit hinsichtlich des Medienmarkts fest. Dabei ist es nicht schwierig, solche Infos zu bekommen. Es gibt Medienseiten in Tageszeitungen, Medienmagazine, vieles lässt sich online nachlesen, halt vielleicht nur nicht auf Facebook oder StudiVZ.

Es stimmt, viele festangestellte Redakteure haben auch keine Ahnung, was sich so tut, die haben oft auch seit ihrem Volo kein Fachbuch mehr gelesen oder mal eine journalistische Weiterbildung gemacht. Diese Bequemlichkeit können die sich aber eigentlich gar nicht mehr leisten, meistens merken sie es nur zu spät.

================================================== ========

* Viele Chefredakteure sind heute erst Ende 30. Der aktuelle Leiter des Spiegel-Büros in Dresden ist 25. Er kommt ebenfalls in der Titelgeschichte des aktuellen "journalist"-Hefts vor.

================================================== =======

P.S. @ schwabe: Du musst nicht immer auf den "Zitieren"-Knopf drücken, wenn Du antworten möchtest, ein Klick auf "Antworten" tut es auch. Die Netiquette besagt schließlich, dass man nur dann zitiert, wenn nötig, und nur so viel zitiert, wie nötig.

Geändert von christine (06.05.2011 um 15:52 Uhr). Grund: Trennlinien
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