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Alt 16.01.2013, 11:02   #16
christine
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Standard AW: Insolvenzantrag der Frankfurter Rundschau

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Zitat von EinSchwabe Beitrag anzeigen
Ich finde es sehr schade, dass die FR wohl verschwinden wird. Aber ändern kann man das wohl nicht.
Wenn eine moderne Zeitung mit Tabloid-Format trotz Redaktionsgemeinschaft mit der Berliner Zeitung Insolvenz anmelden muss - dann sind natürlich auch viele andere Zeitungen mehr als nur vom Aussterben bedroht. Und Frankfurt ist ja keine arme Stadt, die nur eine einzige große Zeitung verdient hätte..
Die Redaktionsgemeinschaft könnte ein Teil des Problems gewesen sein - plötzlich wurden die Frankfurter Leser mit einer Menge neuer Namen im Blatt konfrontiert, zu denen sie keinen Bezug hatten (und wohl auch nicht wirklich bekamen). Vorkötter hat im Grunde das Rhein-Main-Gebiet nicht wirklich verstanden, er redete damals stets von der FR als einer "Metropolen-Zeitung". Es stimmt zwar, dass die FR in Frankfurt die auflagensstärkste Zeitung war, aber 1/3 der Auflage hat sie eben auch in der Region gemacht. Das Rhein-Main-Gebiet ist eben nicht wie Berlin, wo es außer Potsdam drumherum keine nennenswert großen Städte gibt. Vorkötter hat sich aber für das Lokale nie interessiert. Die einzige Außenredaktion, die er jemals besucht hat, war die in Darmstadt - um den Leuten dort zu verkünden, dass sie in vier Wochen geschlossen werden (die rechneten eigentlich damit, dass sie gesagt bekommen, wer neuer Redaktionsleiter wird). Und im Gegensatz zu Wolfgang Storz, der sich zumindest immer von allen Lokalteilen die Überschriften und Bilder täglich anschaute und Lob oder Tadel dazu abgab, spielten die Lokalteile außer dem Frankfurter bei der Blattkritik auch keine Rolle mehr.

Was die anderen Lokal- und Regionalzeitungen angeht, die vom Aussterben bedroht sind, hast Du wohl recht. Gerade bekamen die Redakteure der Westfälischen Rundschau verkündet, dass man die Lokalredaktion schließt und fortan den Lokalteil von der Konkurrenz einkauft und den Mantel von der Mutter übernimmt. Dazu gab es heute morgen ein Interview mit Horst Röper im DRadio.

Zitat:
Zitat von EinSchwabe Beitrag anzeigen
Kann mir jemand erklären, weshalb eine Wirtschaftszeitung wie die FTD so große Verluste macht? Welche Idee von Gruner und Jahr steht denn dahinter?
Außerdem habe ich gelesen, dass auch das Handelsblatt Verluste machen würde. Intuitiv denkt man, dass Wirtschaftsmedien besonders viele Anzeigen haben. Das hatte die FR ja nicht.
Gute Frage. Wenn man die Aussagen vieler FTD-Kommentare als Maßstab für dieses Blatt angelegt hätte, hätte man das schon vor Jahren einstellen müssen.

Auf Carta erschien übrigens Mitte Dezember ein Artikel, der Einblick in die Beschäftigungsstruktur bei der FTD gab:

"(...)von den 350 Mitarbeitern aus Verlag und Redaktion, die bei den Gruner & Jahr-Wirtschaftsmedien nun vor der Entlassung stehen, arbeiteten keineswegs alle in unbefristeten Verhältnissen (das waren nur 234). Ein gewichtiger Teil der Arbeit wurde nicht von Redakteuren und dafür ausgebildeten Verlagsleuten, sondern von studentischen Hilfskräften erledigt. 57 Studenten und Doktoranden sind betroffen (das ist rund ein Sechstel der Belegschaft)."

Vermutlich dürfte der Sozialplan für die nicht greifen.

Geändert von christine (16.01.2013 um 11:22 Uhr).
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