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Alt 27.08.2011, 14:58   #44
JourSt
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Daumen runter AW: Journalistik-Studium - Leipzig

Hallo an alle!

Ich komme aus Leipzig und war in diesem Jahr zum Aufnahmegespräch (Komm. 1). Möchte euch gern etwas darüber berichten:

Wir sollten eigentlich zu 4. sein, waren nur zu Dritt. Aber das war nicht weiter wichtig. Meine zwei Mitstreiterinnen konnten ein Studium der Skandinavistik und die andere der Germanistik/Kulturwissenschaft vorweisen. Die beiden schwebten auf einer Welle der "Gesellschaftskritik". Die eine begründete ihren Studienwunsch ernsthaft mit dem Satz, dass man "heutzutage nichts mehr lesen kann und damit es besser wird, muss ich es jetzt selber machen". Sei verfolgt wohl den Traum den "Kulturjournalismus zu revolutionieren"...
Jedenfalls ergänzten sich die zwei in ihrem Wahn, nur ernsten Journalismus zu vertreiben, wohingegen ich als Sportverrückte schon völlig aus dem Rahmen fiel.

Das Gespräch begann mit einem kurzem "Warum wollt ihr Journalisten werden und warum hier in Leipzig studieren?".
Danach gab es eine Diskussionsrunde. Wir bekamen 5 Schlagzeilen mit ein wenig Text. Sollten uns vorstellen, dass wir die Schlussredaktion einer Zeitung in einem Ort (weiß nicht genau wie er hieß, klang sehr erfunden) sind und entscheiden, welche 3 Artikel auf die Titelseite kommen und in welchem Umfang. Ich erinnere mich noch an die Themen "Opel baut Stellen ab", "Landesgartenschau in eben diesem Ort" und "Irgendein Bouelevard-Star ist Pleite". Soweit so gut. Der Text über Opel war gähnend langweilig, da er nur aus Sachen bestand wie "Der SPIEGEL hat gesagt, dass..." und "Auch die AUTOBILD bestötigte..." sowie "Andere Medien sagen das, es wird schon stimmen". Fand ich persönlich extrem überflüssig. Habe das auch so betont. Wer würde denn so einen Text auf die Startseite setzen? Jetzt mal im Ernst? O.o
Na ja, jedenfalls fragte dann eine der Mitbewerber nach, wo denn dieser Ort, indem sich unsere Zeitung befindet, liegt. Dumm gelaufen, der Ort existierte wirklich und lag direkt neben Rüsselsheim (Opel...). Tja, damit war ich wohl raus aus dem Gespräch.
Danach kam eine "Eilmeldung", dass irgendein Typ gehört hat, dass in einem städtischen Restaurant bei ner Hochzeitsgesellschaft alle Durchfall bekommen haben. Die Frage dazu war nun, wie wir damit umgehen. Panikmachen, Restaurant betiteln und deren Umsatz aufs Spiel setzen, oder gar nichts machen.

Danach gings weiter mit Fragerunden. Zum Beispiel war eine: "Wer von der Journalistik Uni Leipzig hat publiziert und was haben Sie davon gelesen?" O.o *große Augen* Äääähmmm... Natürlich nix. Ist eben alles nicht meine Branche. Die anderen Mädels konnten durch ihr Studium die Frage gut beantworten, da sie wohl bei ihren Bachelorarbeiten über Professoren gestolpert sind. Na ja.
Jetzt wurde es aber noch richtig schlimm. Die nächste Frage war "Was bedeutet der Atomausstieg für die Parteilandschaft in Deutschland?" Das war noch nicht so schlimm. Konnte man ja aus aktuellen Anlässen viel erzälen. Aber dann! "Was bedeutet das jetzt konkret für Sachsen?" ... Die anderen beiden kamen nicht von hier, also ging die Frage an mich. Ich wusste nun, dass wir hier kein AKW haben, also hab ich überlegt, was die nun von mir wollen. Habe also über das Nachbarland Tschechien gesprochen und erzählt, dass da ja viele AKWs rumstehen. Tja, Pustekuchen. Jetzt haltet euch fest, was die in der Kommision hören wollten und wovon die überzeugt sind:
Wenn Deutschland aus der Atomenergie aussteigt, dann muss diese fehlende Energie kompensiert werden. UND DANN baggern die ganz Leipzig weg, fangen am Augutusplatz an, weil ja hier gaaaaaaanz viel Braunkohle liegt. Und dann weitet sich das auf Sachsen aus und alles wird weggebaggert.
KEIN WITZ. Ich war so baff, ich wollte am liebsten gehen. Sowas sinnloses! Ich versteh es bis heute nicht, dass die das wirklich gesagt haben.

Na ja, es ging weiter mit persönlichen Fragen. Da gabs auch ein Dämpfer in meine Richtung. Die Frage "Wer ist euer Lieblingsjournalist?" Na ja, die beiden anderen Mädels haben wieder ihre Gesellschaftskritiker von der FAZ und TAZ und so weiter ausgepackt. Ich nannte meinen Lieblingssportjournalisten aus Leipzig und bekam dafür bissige Kommentare von einer Dame der Prüfungskommission. So nach dem Motto "Na, dass sehen aber sehr viele ganz anders. Der ist echt keine gute Antwort". Ganz toll. Jetzt darf man nicht mal mehr seine eigene Meinung haben. Sollen sie doch nicht fragen, wenn sie das nicht akzeptieren.

Nach dem Gespräch war mir klar, dass ich hier garantiert NICHT meinen Master machen will. Ich bewwarb mich also lieber an allen möglichen Journalistenschulen. Bin am Ende trotzdem im Mittelfeld gelandet (es sollten 222 Leute gesprüft werden, 44 bekamen einen Platz). Na ja, habe mich gar nicht erst zurückgemeldet. Ich habe auch keine Lust im Nachrutschen reinzukommen. Die Uni Leipzig ist, gerade auch wegen der PR Schlagzeilen und dem Kampf zwischen den Fakultäten Journalitik und KMW, vielleicht nicht der beste Ausbildungsweg für Menschen, die nicht nur toternsten Journalismus (und schon gar nicht Sport) machen wollen.

Ach ja, wichtig wäre vielleicht noch etwas: Während des gesamten Gesprächs, saßen die Prüfer mit ihrem Klemmbrettern da und haben dir für jede Antwort Punktzahlen von 1-10 vergeben. Das wurde addiert und so kam am Ende die Reihenfolge zustande. Damit sollte auch das Entscheidungsproblem, wer bekommt Platz 44 und wer 45, erklärt sein.

Viele Grüße,
JourSt
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