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Alt 14.09.2011, 20:22   #8
christine
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Standard AW: Nein zum Dumping-Tarif für junge Journalisten

Es geht nicht darum, hier zu meckern, sondern sich zu informieren (auch gegenseitig). Es ist auch noch nicht für einige zu früh, sich darüber Gedanken zu machen, denn bei der Berufswahl gehört es dazu, sich vorab über die späteren Verdienstmöglichkeiten zu informieren. Daher habe ich auch eher das Gefühl, es könnte doch ein Zusammenhang bestehen mit solch viel geklickten Threads wie "ich blicke nicht durch".

Klar, es fragt kaum einer, wenn man als freier Journalist arbeitet, ob man ein Volo oder Journalistikstudium absolviert hat, es zählen vielmehr die Qualität der Arbeit und Zuverlässigkeit. Eine gute, vielseitige journalistische Ausbildung hilft einem dabei aber - weil man dann besser ist als die anderen. Und dann muss man das auch nicht über den Preis regeln, indem man billiger ist als der Wettbewerber.

Wer nur SEO-Texte für zwei Cent pro Wort schreibt, braucht auch keine tolle Ausbildung, der muss nur schnell sein. Alle anderen tun aber gut daran, sich gut ausbilden zu lassen und danach stets weiterzubilden - gerade als hauptberuflicher Freier.

Ein Volo ist natürlich keine Garantie für eine gute Ausbildung, ich weiß von Volos, die in den Lokalredaktionen versauerten und sich dort abrackerten, aber nur für zwei Wochen in den Mantelteil durften, wenn der Volo aus der Politik- und Nachrichtenredaktion gerade mal im Urlaub war. Jener Volo machte übrigens dort kaum etwas anderes als dpa-Meldungen ein bisschen umzuschreiben. Alle Volos bekamen auch nur Inhouse-Seminare. So ein Volo kann man in der Pfeife rauchen. Ebenso habe ich schon gestandene Tageszeitungsredakteure von Regional- und Lokalzeitungen getroffen, die im Grunde nie was anderes geschrieben haben als jede Menge Berichte und ab und an noch Kommentare, aber von Story Telling usw. hatten die keine Ahnung (geschweige denn von Crossmedia, Online-, Radio- oder TV-Journalismus). Ein paar von denen war zu dem Zeitpunkt gerade gekündigt worden. Die standen dann ziemlich dumm da.

Ich höre häufig von jungen Kollegen, die mit viel Enthusiasmus in den Beruf gestartet sind, schlecht bezahlte Volos absolviert haben, um danach als Pauschalist, Redakteur in Leiharbeit oder untertariflich bezahlter Redakteur mit befristetem Vertrag ihr Dasein zu fristen. Entsprechend geben auch viele den einst so ersehnten Beruf auf. Der Branchenkenner Wolfang Kiesel nannte im Jahr 2008 einmal konkrete Zahlen. Demnach beginnen jährlich etwa 2.700 Berufsanfänger als Journalisten, von denen ein Drittel nach einem Jahr wieder aufhört, weil sie keinen Job finden. Und wo bleiben die alle?

Auch wenn Journalismus zum Frauenberuf geworden ist, ist nicht davon auszugehen, dass die alle plötzlich heiraten und Kinder kriegen, mit denen sie dann daheim sitzen. Ein Großteil wechselt vermutlich in einen anderen Beruf - und hat dort ohne adäquate Ausbildung häufig wieder schlechtere Chancen, angemessen bezahlt zu werden und Karriere zu machen. Für diese Leute wäre es wohl sinnvoller gewesen, gleich eine andere Ausbildung zu machen. Und genau darum ist es wichtig, sich vorab gut zu informieren.

Geändert von christine (14.09.2011 um 20:25 Uhr).
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