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ronald12784 14.01.2010 16:04

Praktikum ohne journalistische Vorkenntnisse
 
Hi zusammen.

Mir ist bewusst, dass ich gerade sehr unbedarft an die Sache gehe, würde mich aber dennoch - oder gerade deshalb - sehr über ein paar nützliche Hinweise freuen.

Ich habe weder Arbeitsproben, noch journalistische Vorkenntnisse. Stattdessen habe ich Jura/BWL studiert bzw. befinde mich derzeit auf der Zielgeraden meines Studiums.

Von meinem - eigentlich schon immer bestehenden - Wunsch, Journalismus zu studieren wurde mir von meinem Studiumsfinancier (Eltern :) abgeraten, weshalb ich jetzt vor meinem hier geschilderten Dilemma stehe.

Meine Frage lautet: Welche Quereinsteigermöglichkeiten bieten sich einem Fehlgeleiteten wie mir, um im Journalismus Fuß zu fassen?
Sind größere Verlage mangels Vorkenntnissen kategorisch außen vor oder kann man da mit einer entsprechenden Vita (Auslandsaufenthalte, Praktika, Stipendien, Auszeichnungen, etc) noch etwas ausrichten?

Danke vorab an alle, die mir hier weiterhelfen!
Ronald

mia 14.01.2010 18:04

AW: Praktikum ohne journalistische Vorkenntnisse
 
Mach am besten gleich eine Reihe Praktika aus, allen voran bei einer Lokalzeitung, wo du als Freier arbeiten kannst. Da kannst du dann auch Arbeitsproben für die nächsten Stationen sammeln. Das Eltern-Argument verstehe ich nicht.

LarsB 14.01.2010 19:09

AW: Praktikum ohne journalistische Vorkenntnisse
 
Zitat:

Zitat von mia (Beitrag 76476)
Mach am besten gleich eine Reihe Praktika aus, allen voran bei einer Lokalzeitung, wo du als Freier arbeiten kannst. Da kannst du dann auch Arbeitsproben für die nächsten Stationen sammeln. Das Eltern-Argument verstehe ich nicht.

Das klingt sehr optimistisch. Will auch nicht behaupten, dass es unmöglich ist. Aber wie soll sie (gleich eine ganze Reihe) Praktikas und Aufträge als freie Mitarbeiterinnen bekommen, wenn sie noch keinerlei journalistische Erfahrung hat???? Ein bisschen Erfahrung wird doch praktisch immer vorausgesetzt.

tooobii 14.01.2010 19:27

AW: Praktikum ohne journalistische Vorkenntnisse
 
Zitat:

Zitat von LarsB (Beitrag 76479)
Das klingt sehr optimistisch. Will auch nicht behaupten, dass es unmöglich ist. Aber wie soll sie (gleich eine ganze Reihe) Praktikas und Aufträge als freie Mitarbeiterinnen bekommen, wenn sie noch keinerlei journalistische Erfahrung hat???? Ein bisschen Erfahrung wird doch praktisch immer vorausgesetzt.

Also ich dachte immer Ronald sei ein Männername :)

Ich glaube mia meint: Praktikum bei einer Lokalzeitung ebnet ggf. den Weg für ein Praktikum in einer größeren Redaktion. Vielleicht auch zu einer freien Mitarbeit. Mit der Erfahrung zweier Praktika kann man da... usw.
Grundlegend ist das nicht falsch. Allerdings gibt der Threadstarter an, in den Endzügen seines Studiums zu stecken.

In meinen Augen ein sehr später Zeitpunkt um in den Journalismus einzustecken - eventuell sogar zu spät? Klar, es kann immer klappen. Stell dich aber darauf ein, dass du mit vielen Leuten konkurrierst, die schon ein abgeschlossenes Studium haben und zusätzliche jede Menge journalistische Erfahrung in Form von langjähriger Mitarbeit für verschiedene Medien.

Dann ist da natürlich noch die Frage des eigenen Anspruchs. An ein Volontariat bei der Lokalzeitung im hinterletzten Dorf kommst du natürlich schneller, als an eine Stelle bei einem überregionalen Blatt. Nur, willst du das auch? Gerade finanziell ist bei einem abgeschlossenen Jura/BWL Studium im Vergleich zum Lokaljournalisten doppelt oder dreifach so viel drin.

punky 15.01.2010 00:07

AW: Praktikum ohne journalistische Vorkenntnisse
 
Na ja, mit einem Jura/BWL-Studium ohne Erfahrung sind die Chancen jedenfalls größer als mit einem geisteswissenschaflichem Studium und ohne Erfahrung.
Wenn man das Jura-Studium einigermaßen in der Regelstudienzeit absolviert hat, kann man immernoch gut argumentieren, dass man keine Zeit hatte, nebenher zu arbeiten. Wenn du den Weg wirklich einschlagen willst, musst du allerdings schon damit rechnen, dass du dir nach deinem Studium eine Zeit völlig unter- oder unbezahlt "frei" nehmen musst, um den Rückstand aufzuholen.

LarsB 15.01.2010 14:48

AW: Praktikum ohne journalistische Vorkenntnisse
 
Zitat:

Zitat von punky (Beitrag 76485)
Na ja, mit einem Jura/BWL-Studium ohne Erfahrung sind die Chancen jedenfalls größer als mit einem geisteswissenschaflichem Studium und ohne Erfahrung.

Inwiefern? Jura hat doch mit dem Journalismus nichts zu tun. Das ist ungefähr so, als würde ein Bäcker jetzt Maurer werden wollen. Also das Studium dürfte bei diesem Berufsweg keine Bedeutung haben

mia 15.01.2010 15:01

AW: Praktikum ohne journalistische Vorkenntnisse
 
Zitat:

Zitat von LarsB (Beitrag 76492)
Inwiefern? Jura hat doch mit dem Journalismus nichts zu tun. Das ist ungefähr so, als würde ein Bäcker jetzt Maurer werden wollen. Also das Studium dürfte bei diesem Berufsweg keine Bedeutung haben

Sehe ich genauso. Im Journalismus ist Studium gleich Studium - mit einer Ausnahme: Naturwissenschaften. Weil das Doppeltalent, gut und anschaulich schreiben zu können und gleichzeitig fundierte Kenntnisse in Medizin, Biologie oder Physik zu haben, so rar ist, sind solche Menschen begehrt. Ohne Auskenner lassen sich die Wissenschaftsseiten der Magazine schwer füllen, es bringt aber nichts, wenn die Auskenner nur Fachchinesisch und Bandwurmsätze können. Für Jura oder BWL gilt das meines Erachtens nicht nicht. Das bisschen Strafrecht, mit dem sich Gerichtsreporter auskennen müssen, können sie sich auch anlesen. Und für die Wirtschaftsredaktion reichen VWL-Kenntnisse, wie sie in jedem Politologie-Studium vermittelt werden. Trotzdem wäre es ja absurd, sich allein deshalb durch ein Physikstudium zu quälen, wenn es einem so gar nicht liegt. Es hat ja schon seinen inhaltlichen Grund, dass mehr Germanisten, Politologen oder Soziologen in den Journalismus drängen (und: was soll man damit auch sonst machen?).

Ich verstehe nicht, wieso Berufsanfänger mit so tendenziell karrieretauglichen Studienabschlüssen wie Jura und BWL auf Teufel komm raus in die Arme-Leute-Branche Journalismus wollen. Außer sie brennen wirklich für den Beruf. Wer das tut, wird seinen Weg schon machen - aber genau DESWEGEN und nicht trotz oder wegen irgendwelcher bestimmten Studienfächer.

LarsB 15.01.2010 16:21

AW: Praktikum ohne journalistische Vorkenntnisse
 
Zitat:

Zitat von mia (Beitrag 76493)
Ich verstehe nicht, wieso Berufsanfänger mit so tendenziell karrieretauglichen Studienabschlüssen wie Jura und BWL auf Teufel komm raus in die Arme-Leute-Branche Journalismus wollen.

Mal so am Rande: BWL studiert heutzutage jeder Dritte. Und wegen der Vielzahl an Studierten ist das nicht mehr unbedingt karrieretauglichen.

Ich weiß auch nicht, ob ich beim Journalismus von der Arme-Leute-Branche sprechen würde; eher bei einem Friseur oder Verkäufer.

mia 15.01.2010 16:34

AW: Praktikum ohne journalistische Vorkenntnisse
 
Zitat:

Zitat von LarsB (Beitrag 76496)
Mal so am Rande: BWL studiert heutzutage jeder Dritte. Und wegen der Vielzahl an Studierten ist das nicht mehr unbedingt karrieretauglichen.

Ich weiß auch nicht, ob ich beim Journalismus von der Arme-Leute-Branche sprechen würde; eher bei einem Friseur oder Verkäufer.

Du bist lustig. Als Leiharbeite(r)/Freiberufler(in)/Dauerpraktkant(in) verdient man bestimmt nicht mehr als ein Verkäufer im Fachhandel - und im Durchschnitt sicher um einiges weniger als ein durchschnittlicher BWL-Absolvent an seinem ersten Arbeitsplatz. Die Im Journalismus als festangestellter Redakteur, nach Tarif bezahlt, unbefristet beschäftigt und mit ordentlicher Altersvorsorge (Presseversorgungswerk) zu landen, ist heutzutage ein Sechser im Lotto. Und um an die wirklich top bezahlten Stellen zu kommen, sollte man eine Journalistenschule durchlaufen haben, denn so gute Kontakte zu den großen Magazinverlagen kriegt man nicht mal eben so vom heimischen Schreibtisch aus. Alle Zwischenformen wie "Feste Freie" oder "Pauschalisten" sind in der Regel unsichere Beschäftigungsverhältnisse mit untertariflichem Gehalt und vollkommen ungeregelten, nac oben offenen Arbeitszeiten. Das hält nur aus, wer entweder wirklich Leidenschaft für den Beruf verspürt, oder wer wirklich nirgendwo sonst unterkommt - weil die Welt nun mal nicht nach Germanisten schreit.

Als BWLer mit mittelmäßiger Abschlussnote kommt man garantiert besser unter. Als Jurist sowieso. Und wenn die Alternative zu einer Trainee-Stelle in der freien Wirtschaft lautet, jahrelang als Zeilenschreiber für das Lokalblättchen zu malochen, und dabei auf nicht mehr als 800-900 Euro brutto zu kommen, dann wüsste zumindest ich, wofür ich mich entscheiden würde.

Diese Branche ist vom weitem glamourös und von Nahem keinem zuzumuten, der eine halbwegs bürgerliche Existenz in der (oberen) Mittelschicht anstrebt und eine Familie nicht nur ernähren, sondern mit ihr vielleicht auch mal in den Urlaub fahren möchte. Leider.

LarsB 15.01.2010 16:59

AW: Praktikum ohne journalistische Vorkenntnisse
 
Sorry, aber das sehe ich ein bisschen anders. Ich arbeite seit drei Jahren als Freiberufler und war eben auch mal als Verkäufer bzw. Einzelhandelskaufmann beschäftigt. Und das Einkommen ist bei meiner Freiberuflichkeit höher als damals im Einzelhandel. Zudem sind die Abgaben deutlich geringer, weil man den Gewinn ja recht gut maximieren kann.
Und es gibt andere Branchen, bei denen sieht es noch viel schlechter aus.
Beispiel: Schauspieler. Habe da einige Erfahrungen gemacht und weiß, dass sich die z.B. die Marktsituation der Journalisten wünschen würden.

punky 15.01.2010 19:08

AW: Praktikum ohne journalistische Vorkenntnisse
 
Es ist nunmal so, dass die meisten Jura-Studenten auch Juristen werden wollen und nicht Journalisten. Bei den Geisteswissenschaften sieht das bekanntlich anders aus. Und wenn man nach dem 100sten Germanisten und Historiker mal die Bewerbung eines Juristen in der Hand hält, weckt das wahrscheinlich zumindest die Aufmerksamkeit der Personaler.

julia 15.01.2010 22:59

AW: Praktikum ohne journalistische Vorkenntnisse
 
Zitat:

Zitat von mia (Beitrag 76497)
Du bist lustig. Als Leiharbeite(r)/Freiberufler(in)/Dauerpraktkant(in) verdient man bestimmt nicht mehr als ein Verkäufer im Fachhandel - und im Durchschnitt sicher um einiges weniger als ein durchschnittlicher BWL-Absolvent an seinem ersten Arbeitsplatz.

das glaub ich nicht unbedingt. Klar, ich kenne auch Beispiele, wo Leute als Pauschalisten für 3-4Tage (3 offiziell, aber da gewisses Seitenpensum zu leisten ist, sicher regelmäßig mind. 4) pro Woche auf 1000 Euro im Monat kommen. Aber da glaub ich auch, dass das zu nem Großteil in der jeweiligen Person begründet ist und sie nicht gerade zu den "Guten" gehören...(Beispiel: Person zahlt Krankenkassenbeitrag als Freiberufler, zur KSK noch nicht mal ansatzweise angemeldet...)
Aber viele Freiberufler kommen sicher auf mehr als ein Verkäufer. Natürlich nicht unbedingt mit reinem Lokaljournalismus. Aber da ist der Markt mit vielen Praktikanten, Hausfrauen und Studiendirektoren a.D. eh recht überlaufen.

Zitat:

Zitat von mia (Beitrag 76497)
Als BWLer mit mittelmäßiger Abschlussnote kommt man garantiert besser unter. Als Jurist sowieso. Und wenn die Alternative zu einer Trainee-Stelle in der freien Wirtschaft lautet, jahrelang als Zeilenschreiber für das Lokalblättchen zu malochen, und dabei auf nicht mehr als 800-900 Euro brutto zu kommen, dann wüsste zumindest ich, wofür ich mich entscheiden würde.

Ein BWLer mit mittelmäßiger Abschlussnote wird sich verdammt schwer tun (im entsprechenden Beruf). Denn er steht in Konkurrenz zu anderen BWLern, die gut abgeschlossen haben, und davon gibt's viele. Im Vorteil mag er nur sein, wenn er in den Journalismus strebt. Da ist BWL - was ich so von Ressortleitern gehört hab - mehr angesehen als Germanistik etc.

punky 15.01.2010 23:13

AW: Praktikum ohne journalistische Vorkenntnisse
 
Ich frage mich wirklich von welchem "überlaufenen Markt bei Tageszeitungen" ihr eigentlich redet. Ich habe noch keinen erlebt. Ich habe bisher für ein paar Tageszeitungen gearbeitet und noch nie ein Problem gehabt 1. als Freie angenommen zu werden und 2. dann auch Aufträge zu bekommen.
Der Verdienst ist natürlich nicht so toll, aber ich denke doch mehr als Schlecker an der Kasse ;)
(Edit: Ich rede nicht von Volo-Stellen!)

julia 15.01.2010 23:20

AW: Praktikum ohne journalistische Vorkenntnisse
 
gut, vielleicht ist überlaufen der falsche Ausdruck. Aber ich schiebe z.B. häufig Redaktionsassistenz-Dienste und bekomme mit, was alles an Themen vergeben wird. Und eben nicht an ein oder zwei Freie, sondern die Redakteure versuchen schon zu verteilen. Hauptsächlich deshalb, um einige Freie die in etwas entlegeneren Gebieten wohnen, zu halten, sollte man mal im Notfall dringend auf sie zurückgreifen müssen.

Und aus eigener Erfahrung weiß ich: Wenn man mal zwei Monate oder so nicht da ist, im Ausland z.B., ist ganz schnell ein anderer Freier da, der "deine" Aufträge bekommt. Hab ich bei einer Zeitung erlebt, die in ner Uninähe ist. Und von ner Kommillitonin gehört, die frei für nen ÖR arbeitet und während ihrer Diplomarbeit kaum Aufträge angenommen hat und sagte, obwohl sie davor immer sehr gelobt worden sei, sei es jetzt schwierig, wieder rein zu kommen und da anzuknüpfen, wo man aufgehört hat...

mia 16.01.2010 01:06

AW: Praktikum ohne journalistische Vorkenntnisse
 
Zitat:

Zitat von julia (Beitrag 76507)

Da ist BWL - was ich so von Ressortleitern gehört hab - mehr angesehen als Germanistik etc.

Echt, diese Erfahrung hast du gemacht? Mich hat nie jemand gefragt, was ich studiere/studiert habe. Nicht als Freie während des Studiums (da gings um Zuverlässigkeit, gute Schreibe, spontane Verfügbarkeit, Reportageideen) und nicht von Ressortleitern im Volo bei derselben (überregionalen) Zeitung. Die meisten haben ja selbst irgendein Larifari-Fach an der Uni belegt, von dem später nie mehr die Rede war. Hier haben schon Leute volontiert, die nicht nur Germanistik studiert, sondern es nicht mal abgeschlossen haben. Es scheint piepegal, so mein Eindruck. Der Gerichtsreporter ist der abgebrochene Germanist, Sportredakteure haben Soziologie und Magazinredakteure Sport studiert. Aber vielleicht schmort man ja auch nicht überall so im eigenen Saft, ich weiß es wirklich nicht.

Und es ist ja auch so: Wer der oben beschriebene zuverlässige, kompetente, allzeit bereite freie Mitarbeiter einer Tageszeitung sein will, der irgendwann evtl. in die engere Wahl für ein Volo kommt, kommt dabei meist nicht zum intensiven Studieren. Da bietet sich Soziologie (weiß ich aus eigener Erfahrung :D) eher an als Physik oder Jura. Und wer intensiv studiert, hat nicht die Zeit, sich nach den sehr eigenen Regeln des Geschäfts an ein Volo heranzurobben, bevor er oder sie 30 ist. Ein Dilemma, irgendwie.

christine 16.01.2010 12:25

AW: Praktikum ohne journalistische Vorkenntnisse
 
Zitat:

Zitat von mia (Beitrag 76512)
Wer der oben beschriebene zuverlässige, kompetente, allzeit bereite freie Mitarbeiter einer Tageszeitung sein will, der irgendwann evtl. in die engere Wahl für ein Volo kommt, kommt dabei meist nicht zum intensiven Studieren. Da bietet sich Soziologie (weiß ich aus eigener Erfahrung :D)

mia, bei den heutigen Bachelor- und Masterstudiengängen kannst Du das knicken, da werden auch Soziologiestudis andauernd Prüfungen abverlangt, auch die müssen Credit Points sammeln.

Zitat:

Zitat von julia (Beitrag 76507)
Aber da glaub ich auch, dass das zu nem Großteil in der jeweiligen Person begründet ist und sie nicht gerade zu den "Guten" gehören...(Beispiel: Person zahlt Krankenkassenbeitrag als Freiberufler, zur KSK noch nicht mal ansatzweise angemeldet...)

Sorry, Julia, da muss ich Dir widersprechen: Ich habe selbst schon miterlebt, wie gute Leute - Schreiber wie Fotografen - aus ihren prekären oder unterbezahlten Beschäftigungsverhältnissen herausgekegelt wurden, während andere, schlechtere ihre Jobs behielten - und das hatte eben gerade nichts mit ihrer Leistung zu tun (und nein, die, die herausgekegelt wurden, waren auch keine Querulanten).

Was die KSK angeht, so gibt es immer mal wieder Phasen, wo sie die Scheinselbstständigkeit strenger prüfen und die Betroffenen dann eben nicht aufnehmen. Abgesehen davon gibt es auch viele Unwissende, die einfach keinen Plan haben, welche Versicherungen für Sie nötig oder in Frage kommen.


@ punky: Doch, der Markt ist insgesamt überlaufen. Es gibt heute auch viel mehr Ausbildungsstätten als früher, denk doch nur mal daran, wie viele Unis jetzt "irgendwas mit Medien" anbieten. Und der Mittelbau in den Redaktionen bricht weg, es gibt viel weniger feste Stellen als früher. Und was die Auftragsverteilung an die Freien in die Redaktionen angeht, hat das Julia sehr treffend beschrieben.

Nach wie vor gibt es aber einen hohen Bedarf an guten, zuverlässigen Schreibern - nur wollen die Verlage häufig diese Leistungen leider nicht mehr adäquat bezahlen. Ich weiß nicht, ob Du noch studierst, aber sobald man diesen Beruf nicht mehr nur nebenbei macht und regulär kranken- und sozialversicherungspflichtig wird, selbst fürs Alter vorsorgen und auch noch sonst einige Versicherungen zu zahlen hat (Berufsgenossenschaft, Berufshaftpflicht und Vermögensschaden, zum Beispiel), sind diese lausigen Honorare - insbesondere bei den Tageszeitungen - ein Problem. Deshalb machen ja so viele Freie auch PR - und nicht alle trennen da sauber.

christine 16.01.2010 12:34

AW: Praktikum ohne journalistische Vorkenntnisse
 
@ Ronald: Wie alt bist Du jetzt? Wie alt wirst Du sein, wenn Du Dein Studium abgeschlossen hast? Was schätzt Du, welches Ergebnis wirst Du im zweiten Staatsexamen erzielen? (Ich weiß, das ist schlecht vorherzusagen, aber die Note im ersten gibt ja doch schon einen kleinen Hinweis, und für irgendwas wirst Du ja auch die Stipendien erhalten haben.)

mia 16.01.2010 12:47

AW: Praktikum ohne journalistische Vorkenntnisse
 
Zitat:

Zitat von christine (Beitrag 76514)
mia, bei den heutigen Bachelor- und Masterstudiengängen kannst Du das knicken, da werden auch Soziologiestudis andauernd Prüfungen abverlangt, auch die müssen Credit Points sammeln.


.

Ja das ist klar. Ich ging allerdings vom Threaderöffner aus, der offenbar derzeit in den letzten Zügen seines Studiums liegt, und wohl noch nach alter Schule studiert hat.

christine 16.01.2010 16:48

AW: Praktikum ohne journalistische Vorkenntnisse
 
Es kommt sicherlich auch darauf an, wo man Soziologie studierte. Ich hatte während meines Grundstudiums (Magisterstudium, Hauptfach: Soziologie), ganz gut zu tun (ich gebe zu, mich während des Hauptstudiums in meiner Freizeit nicht so intensiv der soziologische Lektüre gewidmet zu haben, wie es eigentlich sinnvoll gewesen wäre).

Abgesehen davon hatten wir schon damals in Soziologie während des gesamten Studiums Anwesenheitspflicht in den Grundkursen, Übungen und Hauptseminaren, da wurden Listen geführt. Wer mehr als zweimal fehlte, konnte den Schein vergessen.

punky 16.01.2010 17:31

AW: Praktikum ohne journalistische Vorkenntnisse
 
Zitat:

Zitat von christine (Beitrag 76514)

@ punky: Doch, der Markt ist insgesamt überlaufen. Es gibt heute auch viel mehr Ausbildungsstätten als früher, denk doch nur mal daran, wie viele Unis jetzt "irgendwas mit Medien" anbieten. Und der Mittelbau in den Redaktionen bricht weg, es gibt viel weniger feste Stellen als früher. Und was die Auftragsverteilung an die Freien in die Redaktionen angeht, hat das Julia sehr treffend beschrieben.

Nach wie vor gibt es aber einen hohen Bedarf an guten, zuverlässigen Schreibern - nur wollen die Verlage häufig diese Leistungen leider nicht mehr adäquat bezahlen. Ich weiß nicht, ob Du noch studierst, aber sobald man diesen Beruf nicht mehr nur nebenbei macht und regulär kranken- und sozialversicherungspflichtig wird, selbst fürs Alter vorsorgen und auch noch sonst einige Versicherungen zu zahlen hat (Berufsgenossenschaft, Berufshaftpflicht und Vermögensschaden, zum Beispiel), sind diese lausigen Honorare - insbesondere bei den Tageszeitungen - ein Problem. Deshalb machen ja so viele Freie auch PR - und nicht alle trennen da sauber.

Dann hatte ich vielleicht bisher Glück - auch in zwei Unistädten, die "irgendwas mit Medien" anbieten. Einmal bin ich sogar gefragt worden, ob ich noch Leute kenne, die als Freie arbeiten wollen, weil sie gerade einen Engpass hatten.
Ich verdiene jetzt mehr als bei meinem früheren Verlag, muss aber - wie du richtig festgestellt hast - (noch) nicht davon leben. Da ich aber meine Abrechnung sehe und weiß wie viele (meistens nur halbe) Tage ich dafür gearbeitet habe, bin ich mir recht sicher, dass es bei Vollzeit etwas mehr werden würde als ein Volo-Tarif-Gehalt. Das man davon reich wird, behauptet hier glaub ich niemand. Aber andere Jobs für Geisteswissenschafter sind nunmal leider auch völlig unterbezahlt. Wenn ich höre was meine Ingenieurs-Freunde als Einstiegsgehalt bekommen - das würde ich wohl selbst mit Festanstellung im Leben nicht erreichen.
Ein Bekannter sagte letztes, unter 30.000 Einstiegsgehalt wäre es den Bewerbungsaufwand gar nicht wert. Da konnte ich leider nur lachen, zumal die guten Leute in der Industrie auch recht schnell befördert werden.

mia 16.01.2010 19:54

AW: Praktikum ohne journalistische Vorkenntnisse
 
Zitat:

Zitat von christine (Beitrag 76519)
Es kommt sicherlich auch darauf an, wo man Soziologie studierte. Ich hatte während meines Grundstudiums (Magisterstudium, Hauptfach: Soziologie), ganz gut zu tun (ich gebe zu, mich während des Hauptstudiums in meiner Freizeit nicht so intensiv der soziologische Lektüre gewidmet zu haben, wie es eigentlich sinnvoll gewesen wäre).

Abgesehen davon hatten wir schon damals in Soziologie während des gesamten Studiums Anwesenheitspflicht in den Grundkursen, Übungen und Hauptseminaren, da wurden Listen geführt. Wer mehr als zweimal fehlte, konnte den Schein vergessen.

Das freut mich für dich. Ich hingegen habe an einer so genannten Luschi-Uni ein so genanntes Luschi-Fach studiert (es war nicht nur eins und nicht nur Soziologie), hatte ganz schnell raus, wie ich mit Minimalaufwand (Gruppenreferat!) an meine Scheine kam und konnte so meine ganze Energie ins Schreiben stecken - was seit früher Kindheit sowieso das ist, was ich am liebsten tue. Das war ein Kompromiss, und das war mir (teils schmerzlich) bewusst. Es war nämlich nicht so, dass mich Soziologie nicht interessiert hätte, im Gegenteil. Aber bei eben jener Zeitung, zu der ich immer hingewollt hatte, als Freie einen Fuß in die Tür zu bekommen und aus vielen Konkurrenten für ein Volo ausgewählt zu werden - das ging nur, indem mein Job immer höchste Priorität hatte. Musste ich Montag früh einen Artikel fertig schreiben, bin ich eben nicht ins Seminar.
Ist das ideal? Der Sinn eines Studiums? Nein. Für mich und viele andere, die ich kenne, hat sich dieser Weg trotzdem ausgezahlt. Allerdings finde ich es bis heute schockierend, mit wie wenig Aufwand ich einen akademischen Abschluss bekommen habe. Ich arbeite zwar arbeitsrechtlich nicht in der Position, die meiner Ausbildung entspricht, aber (in einem fragwürdigen Konstrukt) angestellt in dem Ressort und bei der Zeitung, die lange vor der Uni mein Traumarbeitsplatz gewesen ist. Und in der Stadt, in der ich leben möchte. Ich bin glücklich und bereue nichts, um es mal pathetisch zu sagen.

Es ist einiges anders geworden in den vergangenen zehn Jahren, ganz klar. Das wäre mal eine (ziemlich interessante) andere Diskussion.

Gruß aus Berlin,
Mia

lasse 17.01.2010 19:29

AW: Praktikum ohne journalistische Vorkenntnisse
 
Zitat:

Allerdings finde ich es bis heute schockierend, mit wie wenig Aufwand ich einen akademischen Abschluss bekommen habe.
Liebe Mia,

das geht mir auch heute noch so. Allerdings ist der Aufwand von Fach zu Fach sehr verschieden.
Wenn ich bedenke, wieviel Zeit ich für Politikwissenschaften investiert habe und wieviel für Wirtschaftswissenschaften, dann werde ich rückblickend schon wütend. 3 Credit Points bekommt ein Politikwissenschaftler nachgeschmissen, für Wirtschaftswissenschaftler sind sie ein Kraftakt. Wo doch die Arbeitszeit eigentlich gleich sein sollte...

punky 17.01.2010 20:07

AW: Praktikum ohne journalistische Vorkenntnisse
 
Ich denke auch, dass der Arbeitsaufwand bei den meisten Geisteswissenschaften (zumindest nach den alten Studienordnungen) unter dem anderer Fächer liegt.
Allerdings hängt das auch sehr von der Uni ab. Bei uns gab es die meisten LNs nur mit Anwesenheitspflicht UND Referat UND Klausur UND Hausarbeit. Nur wer die Klausur bestanden hat, wurde zur Hausarbeit zugelassen. Ich habe Bekannte an anderen Unis, die das Entweder-Oder-Prinzip haben oder für ein "freiwilliges" Referat weniger Seiten Hausarbeit schreiben o.ä. Das hatten wir nicht. Leider wird das einen Personaler bzw. Chefredakteur wohl kaum interessieren...
Diese Unterschiede gibt es in anderen Fächern auch, nur sind sie dort den Fachleuten bei der Einstellung wohl noch eher bekannt. Da klingelt es eben bei "Karlsruhe", "Aachen", oder "München". Da werden anscheinend z.B. viel heftigere Mathe-Klausuren geschrieben als an manchen anderen Unis.
Ich denke, dass das bei uns kaum eine Rolle spielt, zumal da eh andere Qualifikationen ausschlaggebend sind.

christine 17.01.2010 21:37

AW: Praktikum ohne journalistische Vorkenntnisse
 
Zitat:

Zitat von mia (Beitrag 76523)
Das freut mich für dich.

Ich fand das teilweise eher kontraproduktiv, denn weil sie uns im Grundstudium so mit Referaten und Klausuren getriezt hatten, machte ich dann im Hauptstudium eher zu wenig. Sinnvoller wäre es gewesen, die Lust an und zur Soziologie zu wecken - aber da taten die eher ihr Bestes, die Studis zu demotivieren. Von den 20 Hauptfachsoziologen meines Jahrgangs machten nur drei jemals ihr Examen (bei dem einen bin ich mir nicht mal hundertprozentig sicher, er hat nämlich die Magisterarbeit zwei Wochen vor Abgabe geschmissen und hatte zugleich ein Volo-Angebot).

Zitat:

Zitat von mia (Beitrag 76523)
Ich arbeite zwar arbeitsrechtlich nicht in der Position, die meiner Ausbildung entspricht, aber (in einem fragwürdigen Konstrukt)angestellt

Klingt nach Pauschalist oder Redakteur in Leiharbeit. Gibt's ja leider immer häufiger.

mia 17.01.2010 21:48

AW: Praktikum ohne journalistische Vorkenntnisse
 
Zitat:

Zitat von christine (Beitrag 76540)


Klingt nach Pauschalist oder Redakteur in Leiharbeit. Gibt's ja leider immer häufiger.

Ja, sowas in der Art. Aber da für mich ohnehin nie ein anderer Job in Frage gekommen wäre und ich sozusagen mein Hobby zum Beruf gemacht habe, nehme ich es, wie es ist. Aber wie ich schon öfter schrieb: Wer in den Journalismus will, sollte es schon wirklich WOLLEN - denn es spricht objektiv gesehen gar nichts dafür. Umso weniger, wenn man was "Vernünftiges" studiert hat. Deshalb kann man eigentlich niemandem zuraten. Als Verlegenheitslösung taugt die Branche jedenfalls nicht.

christine 17.01.2010 22:25

AW: Praktikum ohne journalistische Vorkenntnisse
 
Ja, man muss es wirklich wollen, anders hielte man das sonst oft nicht aus.

Wolfgang Kiesel sagte mir vor zwei Jahren mal, dass jedes Jahr etwa 3.000 Journalisten mit ihrer Ausbildung fertig würden, etwa die Hälfte von ihnen gäbe in den ersten drei Jahren den Beruf auch wieder auf. Ich hoffe, ich habe das korrekt aus dem Gedächtnis wiedergegeben.

Texte-Büro 18.01.2010 00:03

AW: Praktikum ohne journalistische Vorkenntnisse
 
Zitat:

Zitat von mia (Beitrag 76541)
Aber wie ich schon öfter schrieb: Wer in den Journalismus will, sollte es schon wirklich WOLLEN - denn es spricht objektiv gesehen gar nichts dafür.

Meine Erfahrung ist, dass das so ziemlich jeder über seinen Beruf sagt. Exakt die gleiche Aussage habe ich kürzlich auch von zwei Speditionskaufleuten gehört. Und einen professionellen Discjockey (wieder eine ganz andere Branche) habe ich ebenfalls schonmal ähnliches sagen hören. Ich glaube, fast jeder sagt das über seinen Beruf. Weil es heutzutage einfach in jedem Beruf schwierig ist. Journalisten tun halt eben so, als wären sie die ärmsten Schweine der Welt. Aber wie gesagt: Das tun andere auch;-)

Texte-Büro 18.01.2010 00:14

AW: Praktikum ohne journalistische Vorkenntnisse
 
Mir fällt sogar noch ein Beispiel ein: Vor einigen Wochen führte ich ein Interview mit einem Anwalt, wobei er mir von seinem Beruf erzählte. Um es kurz zu fassen: Es ist nicht so, dass man nur Jura studieren muss und gleich dicke Kohle macht. Im Gegenteil. Gerade bei einer angesehenen Kanzlei, wo auch gute Gehälter gezahlt werden, wird knallhart ausgesiebt. Wir Journalisten sollten nicht so tun, als wäre es nur bei uns so schwer. In jedem Beruf ist es schwer.

mia 18.01.2010 00:17

AW: Praktikum ohne journalistische Vorkenntnisse
 
Zitat:

Zitat von Texte-Büro (Beitrag 76543)
Journalisten tun halt eben so, als wären sie die ärmsten Schweine der Welt.

Das sind wir nicht. Im Gegenteil: Wir haben den tollsten Job der Welt.
Allerdings: Mit ungeregelten Arbeitszeiten, fragwürdigen Beschäftigungs-Konstrukten, untertariflichen Gehältern, wenig sozialer Absicherung und eher geringem Glamour-Faktor (Gemeinderatssitzung). Das muss man wissen. Gerade als Neuling. Dafür gibt es dieses Forum. Und das beschäftigt sich nun mal nicht mit dem Leben von Anwälten, Speditionskaufleuten und DJs. Sondern mit dem von Journalisten.

lasse 18.01.2010 00:33

AW: Praktikum ohne journalistische Vorkenntnisse
 
Zitat:

Mit ungeregelten Arbeitszeiten, fragwürdigen Beschäftigungs-Konstrukten, untertariflichen Gehältern, wenig sozialer Absicherung und eher geringem Glamour-Faktor
Dazu kommt, dass es derzeit wohl keine Branche gibt, in der die Schere zwischen Bewerbermassen und freien Stellen derart auseinanderklafft.

Und dass Journalist ein freier Beruf ist (im Gegensatz zu Speditionskaufleuten und Juristen), macht die Sacher zusätzlich kompliziert.

Texte-Büro 18.01.2010 01:25

AW: Praktikum ohne journalistische Vorkenntnisse
 
Zitat:

Zitat von lasse (Beitrag 76546)
Dazu kommt, dass es derzeit wohl keine Branche gibt, in der die Schere zwischen Bewerbermassen und freien Stellen derart auseinanderklafft.

Sorry, aber das ist unsinn. Nun komme ich wieder mit meinem alten Beispiel: Die Schauspieler. Da klafft es noch weit, weit, weit mehr auseinander. Bei den Fotografen ebenso; zudem ist das Honorar bei Fotografen oftmals noch viel schlecher als bei Redakteuren. Und bei Kameraleuten, Filmregisseuren, Discjockeys und Moderatoren klafft es bald noch mehr auseinander.
Und um wieder einmal auf die Anwälte zu sprechen zu kommen: Laut meines Interviewpartner gibt es bei einer Stelle in einer angesehenen Kanzlei gut und gerne 100 Bewerbungen. Da sieht es eben auch nicht rosig aus.

Also ich bleibe dabei: Hier im Forum wird eindeutig zuviel "gemeckert". Beschäftigt euch mal wirklich, und nicht nur oberflächlich, mit den anderen Berufen. Und ihr werdet feststellen, dass es dort nicht besser aussieht. Nur sieht das immer keiner.

mia 18.01.2010 01:34

AW: Praktikum ohne journalistische Vorkenntnisse
 
Zitat:

Zitat von Texte-Büro (Beitrag 76547)
Also ich bleibe dabei: Hier im Forum wird eindeutig zuviel "gemeckert". Beschäftigt euch mal wirklich, und nicht nur oberflächlich, mit den anderen Berufen. Und ihr werdet feststellen, dass es dort nicht besser aussieht. .


Und dann?
.................................................. .................................................. ..

Texte-Büro 18.01.2010 01:46

AW: Praktikum ohne journalistische Vorkenntnisse
 
Zitat:

Zitat von mia (Beitrag 76548)
Und dann?
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Dann können wir uns meinetwegen mit allen Kaufleuten, Anwälten und Schauspielern zusammensetzen und gemeinsam eine Runde weinen. :D

Nein, es geht nur darum, das behauptet wurde, dieser Beruf sei nichts für Leute, die die obere Mittelschicht anstreben. Und das grundsätzlich gesagt wird, aus finanzieller Sicht sollte man sich für einen der anderen Berufe entscheiden. Ich möchte nur sagen, in all den anderen Berufen könnte man genauso rummeckern. Hier wird aber so getan, als hätten es Journalisten schwerer als andere Berufstätige. Doch das entspricht nicht der Wahrheit!!!

Hier wurde zum Beispiel behauptet, mit einen abgeschlossenen BWL Studium könnte man doppelt und dreifach so viel verdienen wie im Journalismus. Da frage ich mich doch, woher ihr das wissen wollt. Wenn ihr in den anderen Berufen tätig gewesen wärd, würdet ihr feststellen, dass auch in diesen Branchen hart gesiebt wird und letztendlich nur wenige Leute die "dicke Kohle" machen.

@Mia: Zudem hast du behauptet, dieser Beruf hätte wenig Glamour. Da bin ich ganz deiner Meinung. Aber: Welcher Beruf ist schon voller Glamour???? keiner. Und wenn ich es mit Juristen vergleiche, dann sehe ich sogar im Journalismus noch mehr Glamour.

mia 18.01.2010 01:55

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Zitat:

Zitat von Texte-Büro (Beitrag 76549)
Hier wurde zum Beispiel behauptet, mit einen abgeschlossenen BWL Studium könnte man doppelt und dreifach so viel verdienen wie im Journalismus.

Nein. Das hat hier keiner behauptet.
Gute Nacht.

Texte-Büro 18.01.2010 01:57

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Zitat:

Zitat von tooobii (Beitrag 76480)
Gerade finanziell ist bei einem abgeschlossenen Jura/BWL Studium im Vergleich zum Lokaljournalisten doppelt oder dreifach so viel drin.

@mia: Doch, hier hast du das Zitat!

mia 18.01.2010 02:06

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Zitat:

Zitat von Texte-Büro (Beitrag 76551)
@mia: Doch, hier hast du das Zitat!

"Im Vergleich zum Lokaljournalismus" ist das auch in den meisten Fällen richtig, sofern man die Festanstellung eines Juristen oder BWLers mit dem Honorar eines freien Mitarbeiters bei einer Lokalzeitung (wo 80 Prozent der Printjournalisten arbeiten) vergleicht. Mit einem Zeilengeld von 15 Cent bzw. Redaktionsdienst-Tagessätzen von manchmal nicht mehr als 80 Euro ernährt man keine Familie. Wenn ich mich recht entsinne, wollte der Thread-Eröffner nach Abschluss seines Jurastudiums aber so sein Geld verdienen. "Den Journalismus" als solches gibt es nicht, und ich verstehe auch nicht ganz, was du sagen möchtest. Dass hier die Nöte der Discjockeys und Spediteure zu wenig zur Sprache kommen? Dass wir das Forum zumachen sollten, weil andere Leute auch Probleme haben? Und was genau ist DEIN Problem?

Texte-Büro 18.01.2010 02:14

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Zitat von mia (Beitrag 76552)
"Im Vergleich zum Lokaljournalismus" ist das auch in den meisten Fällen richtig, sofern man die Festanstellung eines Juristen oder BWLers mit dem Honorar eines freien Mitarbeiters bei einer Lokalzeitung (wo 80 Prozent der Printjournalisten arbeiten) vergleicht.

Was ist das denn für ein Vergleich? Wenn du einen Vergleich anstellen möchtest, dann vergleich einen festangestellten Redakteur mit einem angestellten Anwalt. Nun werdet ihr wieder behaupten, dass nur wenige eine Festanstellung als Redakteur bekommen. Nun sage ich aber wieder, dass es bei den Juristen auch nicht so einfach ist.

Wo mein Problem liegt? Mich stört einfach nur, dass die meisten Journalisten immer meckern, wie schwer es in ihrem Beruf ist. Tatsache ist doch, jeder muss einen Beruf ergreifen und damit Geld verdienen. Und in all den anderen Berufen, zumindest in den meisten Berufen, sieht es auch nicht unbedingt besser aus. Journalisten geht es meiner Meinung nach eben weder besser noch schlecher als den meisten anderen Berufstätigen.

Und ich glaube nicht, dass 80 Prozent aller Journalisten für Lokalzeitungen arbeiten. Die meisten Freiberufler arbeiten für mehrere Verlage. Alles andere wäre auch nicht clever

punky 18.01.2010 09:07

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Sagen wir mal so: Die guten Stellen sind bei Juristen und BWLern auch umkämpft, werden aber - wenn man die Stelle bekommt - in der Regel besser bezahlt. Ich kenne einige BWLer und die haben alle in verschiedenen Unternehmen für ein PRAKTIKUM schon 800-1000 Euro verdient. Such das mal im Journalismus....

lasse 18.01.2010 11:07

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Zitat:

Hier wurde zum Beispiel behauptet, mit einen abgeschlossenen BWL Studium könnte man doppelt und dreifach so viel verdienen wie im Journalismus. Da frage ich mich doch, woher ihr das wissen wollt. Wenn ihr in den anderen Berufen tätig gewesen wärd, würdet ihr feststellen, dass auch in diesen Branchen hart gesiebt wird und letztendlich nur wenige Leute die "dicke Kohle" machen.
Nun, ich habe eine kaufmännische Ausbildung abgeschlossen, danach im Vertrieb gearbeitet und dann ein wirtschaftswissenschaftliches Studium angehängt. Ich denke, dass ich die Verdienstmöglichkeiten schon recht gut einschätzen kann. Sicherlich wird auch in anderen Branchen gesiebt, keine Frage.
Aber hätte ich Geld verdienen wollen, wäre ich besser im Vertrieb geblieben. Das ist Fakt. Mein Verdienst sähe jetzt anders aus.

Texte-Büro 19.01.2010 00:48

AW: Praktikum ohne journalistische Vorkenntnisse
 
@lasse: Mag schon sein, dass du als Kaufmann mehr verdient hättest. Das heißt aber nicht, dass jeder in dieser Branche mehr verdienen würde.

Zitat:

Zitat von mia (Beitrag 76552)
Mit einem Zeilengeld von 15 Cent bzw. Redaktionsdienst-Tagessätzen von manchmal nicht mehr als 80 Euro ernährt man keine Familie.

Also auch ich schreibe u.a. für eine Lokalzeitung in Hamburg, jedoch zahlen die schon deutlich mehr als 15 Cent je Zeile. Aber nehmen wir einmal das Beispiel mit den 80 Euro. Wenn jemand wirklich nur 80 Euro je Tag verdient und nur 20 Tage arbeitet im Monat, hätte er 1.600 Euro Brutto. Bei einem Angestellten wäre das ein Nettogehalt von rund 1.100 Euro. Bei einem Freiberufler sieht es jedoch etwas besser aus. Der Gewinn kann steuertechnisch problemlos reduziert werden, alleine schon mit der Telefon-& Internetrechnung sowie den Autofahrten und den Computergeräten. So fallen die Steuern und Sozialabgaben schon einmal geringer aus. Die Arbeitslosenversicherung fällt sogar ganz weg (was natürlich auch ein Nachteil sein kann, aber das ist wieder ein anderes Thema). Und schlussendlich kommt auch noch die Umsatzsteuerpauschale von 4,8 Prozent hinzu, das entspricht bei einem Umsatz von 1.600 Euro immerhin 76,80 Euro. Letztendlich hat man nach allen Abzügen noch rund 1.300 Euro über. Das mag kein Super-Einkommen sein, aber über solch ein Gehalt würden sich Friseure, Verkäufer oder Tierpfleger freuen. Und das von der VG Wort auch noch ein paar Euro dazu kommen, habe ich bei dieser Rechnung noch nicht einmal erwähnt.


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