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mia 21.01.2010 23:12

AW: Praktikum ohne journalistische Vorkenntnisse
 
Zitat:

Zitat von julia (Beitrag 76622)
Und untertarifl. Gehälter gibt's anderswo auch....

Ja aber das hat doch überhaupt auch gar niemand bestritten? :confused:

DDangel 21.01.2010 23:51

AW: Praktikum ohne journalistische Vorkenntnisse
 
Lasst einfach mal das Handwerker- und Arbeitnehmer-Bashing ... Den geht es auch nicht so gut:

http://www.youtube.com/watch?v=ZII0LvIVU1w

@lasse
Man könnte sich jetzt auch auf den Standpunkt stellen, dass die Verkäuferin, Friseuse o.ä. mit ihren Steuergeldern dein Studium finanziert hat. Und dass du jetzt -- unabhängig von der Bafög-Rückzahlung (=Rückzahlung vorgeschossener Lebensunterhaltungskosten während deiner Ausbildung, aber keine Kosten deiner Ausbildung) -- jetzt am Zug bist, der Verkäuferin/Friseuse etwas zurückzugeben.

Beste Grüße
David

christine 22.01.2010 11:45

AW: Praktikum ohne journalistische Vorkenntnisse
 
Zitat:

Zitat von julia (Beitrag 76622)
Meine Mutter war Assistentin einer Geschäftsleitung und da gab's öfters mal Sitzungen bis nachts um 2 oder 3 mit Anwesenheitspflicht und Arbeitsbeginn am nächsten Morgen um spät. 7.30.

Ein klarer Verstoß gegen das Arbeitszeitgesetz, das ganz eindeutige Vorschriften hinsichtlich der Ruhezeiten macht (die gibt es nicht nur für LKW-Fahrer). Die haben Glück gehabt, dass Deiner Mutter nie etwas aufgrund der Übermüdung zugestoßen ist, da wäre sonst der Teufel losgewesen.

Leider hat sich Ronald aus dem Thread schon vor einiger Zeit verabschiedet, so dass man ihm letztlich auch keinen weiterführenden Rat geben konnte.

punky 22.01.2010 13:05

AW: Praktikum ohne journalistische Vorkenntnisse
 
Joa, dass kenne ich von Freundinnen aber auch. Bei der Zeitung ist nunmal spätestens um 21 oder 22 Uhr automatisch Schluss (irgendwann muss die Zeitung ja in den Druck gehen). Wenn in einer großen Firma noch etwas ganz dringend zum nächsten Tag erledigt werden muss, dann dauert das eben schon mal so lange wie es eben dauert bis es fertig ist - und wenn das mitten in der Nacht ist. Und wenn dann eine Präsentation um 4 Uhr morgens erst fertig wird, die um 8 Uhr morgens gehalten werden muss, dann nehmen die Chefs keine Rücksicht auf sowas...
Da ich kaum Geisteswissenschaftler in meinem Freundeskreis habe, kenne ich mich mittlerweile mit dem Arbeitsmarkt in anderen Fachgebieten fast besser aus als bei meinem eigenen ;)

lasse 22.01.2010 13:29

AW: Praktikum ohne journalistische Vorkenntnisse
 
Zitat:

Man könnte sich jetzt auch auf den Standpunkt stellen, dass die Verkäuferin, Friseuse o.ä. mit ihren Steuergeldern dein Studium finanziert hat. Und dass du jetzt -- unabhängig von der Bafög-Rückzahlung (=Rückzahlung vorgeschossener Lebensunterhaltungskosten während deiner Ausbildung, aber keine Kosten deiner Ausbildung) -- jetzt am Zug bist, der Verkäuferin/Friseuse etwas zurückzugeben.
Da sind wir ja völlig einer Meinung. Nur: Wie soll die Rückzahlung funktionieren, wenn der Verdienst auf eben jenem Niveau einer Verkäuferin liegt? :)

Texte-Büro 22.01.2010 13:33

AW: Praktikum ohne journalistische Vorkenntnisse
 
Zitat:

Zitat von lasse (Beitrag 76632)
Da sind wir ja völlig einer Meinung. Nur: Wie soll die Rückzahlung funktionieren, wenn der Verdienst auf eben jenem Niveau einer Verkäuferin liegt? :)

Dann macht man irgendwas falsch

lasse 22.01.2010 13:39

AW: Praktikum ohne journalistische Vorkenntnisse
 
Mit deiner Beispielrechnung müsste es ja klappen.

Texte-Büro 22.01.2010 14:05

AW: Praktikum ohne journalistische Vorkenntnisse
 
Verkäufer haben ein Einstiegsgehalt von 1400 Euro brutto bzw. 1.000 Euro netto. Also wirklich sehr wenig.

DDangel 22.01.2010 14:38

AW: Praktikum ohne journalistische Vorkenntnisse
 
Zitat:

Zitat von lasse (Beitrag 76632)
Da sind wir ja völlig einer Meinung. Nur: Wie soll die Rückzahlung funktionieren, wenn der Verdienst auf eben jenem Niveau einer Verkäuferin liegt? :)

Ich denke, dass den Verkäufern und Friseuren -- was übrigens beides offizielle working-poor-Jobs sind -- geholfen ist, wenn ihnen nicht unterschwellig ein unverhältnismäßig zu hoher Verdienst vorgeworfen wird. Ich finde es gegenüber diesen Leuten einfach nicht fair, sinngemäß zu argumentieren ... "Ich habe studiert, mir gehts schlecht, du hast nicht studiert, dir muss es schlechter gehen". Und das wohlgemerkt, wenn beide Berufsgruppen alles andere als Besserverdiener sind ...

Auch glaube ich, dass du als Journalist langfristig deutlich mehr als ein Verkäufer/Friseur verdienen wirst. Bei dieser Aussage bin ich mir sehr sicher, auch wenn's vielleicht im Frühjahr 2010 nicht so gut läuft, ist die Journalisten-Perspektive besser als die eines Verkäufers.

Ich lebe übrigens in Berlin und weiß jetzt nicht, wie es in anderen Bundesländern aussieht. Bei mir in der Nähe gibt es viele Suptermärkte, die wochentags bis 24:00 Uhr geöffnet haben. Auch das sollte man bei der Gehaltsdiskussion nicht vergessen: Die Verkäufer, die dann dort bis 00:30 Uhr für ca. 1.100 EUR/netto malochen, haben jetzt arbeitstechnisch auch nicht so das große Los gezogen ... Also, ich würde ungern mit denen tauschen ...

Ich hatte oben ja ein Youtube-Video gepostet -- vieles, was bei uns in der Branche bemängelt wird, gibt es bei Leiharbeitern, Verkäufern, Friseuren schon länger: nicht eingehaltene Zusagen, Verdienstausfall, schlechte Arbeitszeiten, gesundheitsschädliches Arbeitsumfeld und sehr kurze Arbeitsverträge.

Kurzum: Man sollte jetzt nicht zur Verkäuferin gehen und ihr erzählen, dass sie einen unverhältnismässig tollen Job hat, weils einfach nicht stimmt ...

Beste Grüße
David

lasse 22.01.2010 15:11

AW: Praktikum ohne journalistische Vorkenntnisse
 
Es liegt mir fern, eine Bewertung abzugeben. Ich wollte einzig darauf hinweisen, dass ein direkter Gehaltsvergleich zwischen Verkäufern und Journalisten hinkt. Aus beschriebenen Gründen.

christine 30.04.2010 01:41

AW: Praktikum ohne journalistische Vorkenntnisse
 
Zitat:

Zitat von Texte-Büro (Beitrag 76563)
Aber nehmen wir einmal das Beispiel mit den 80 Euro. Wenn jemand wirklich nur 80 Euro je Tag verdient und nur 20 Tage arbeitet im Monat, hätte er 1.600 Euro Brutto. Bei einem Angestellten wäre das ein Nettogehalt von rund 1.100 Euro. Bei einem Freiberufler sieht es jedoch etwas besser aus. Der Gewinn kann steuertechnisch problemlos reduziert werden, alleine schon mit der Telefon-& Internetrechnung sowie den Autofahrten und den Computergeräten. So fallen die Steuern und Sozialabgaben schon einmal geringer aus. Die Arbeitslosenversicherung fällt sogar ganz weg (was natürlich auch ein Nachteil sein kann, aber das ist wieder ein anderes Thema). Und schlussendlich kommt auch noch die Umsatzsteuerpauschale von 4,8 Prozent hinzu, das entspricht bei einem Umsatz von 1.600 Euro immerhin 76,80 Euro. Letztendlich hat man nach allen Abzügen noch rund 1.300 Euro über. Das mag kein Super-Einkommen sein, aber über solch ein Gehalt würden sich Friseure, Verkäufer oder Tierpfleger freuen. Und das von der VG Wort auch noch ein paar Euro dazu kommen, habe ich bei dieser Rechnung noch nicht einmal erwähnt.


Vernünftigerweise schließen freie Journalisten aber eine freiwillige Arbeitslosenversicherung bei der Arbeitsagentur ab und versichern sich auch bei der BG Verwaltung gegen Arbeits- und Wegeunfälle. Berufshaftpflicht- und ggf. auch eine Vermögensschadenversicherung sollte man schon auch haben. Klar, das sind alles Betriebsausgaben, aber erst einmal will das Geld auch verdient sein, damit man es ausgeben kann. Und eine private Altersvorsorge wäre sicherlich auch ganz schön - ist aber von 1.300 Euro nicht in einer sinnvollen Höhe zu bestreiten.

Texte-Büro 30.04.2010 01:51

AW: Praktikum ohne journalistische Vorkenntnisse
 
Und was willst du damit sagen? Dass wir uns alle erschießen sollen, weil das alles so schlimm ist???

Ich habe nicht behauptet, man sei mit den 1.300 Euro ein Großverdiener. Ich habe behauptet, dass in vielen anderen Berufen auch nicht mehr Nettolohn reinkommt. Oft sogar deutlich weniger. Und letztendlich nehmen manche Journalisten ja auch mehr als 1.600 Euro Umsatz ein. Ich bin sicher kein Großverdiener, aber sogar ich komme da noch auf deutlich mehr


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