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-   -   Insolvenzantrag der Frankfurter Rundschau (http://www.journalismus.com/_talk/showthread.php?t=31723)

christine 15.11.2012 11:32

Insolvenzantrag der Frankfurter Rundschau
 
Mich wundert ein bisschen, dass hier der Insolvenzantrag der "Frankfurter Rundschau" überhaupt kein Thema ist - immerhin droht damit auch das Verschwinden von Praktika- und Voloplätzen. Mag sein, dass viele von Euch diese Zeitung eh schon abgeschrieben haben, schließlich währt deren Siechtum schon einige Jahre. Aber es ist schließlich nicht die einzige kränkelnde Zeitung, es gibt noch mehr Wackelkandidaten, auch überregional.

Miriam86 15.11.2012 13:28

AW: Insolvenzantrag der Frankfurter Rundschau
 
Die FR hatte sehr wenige Voloplätze, da geht es um zwei, drei in zwei Jahren. Und da wurden auch nur hausbekannte Leute genommen (Freie Mitarbeiter der Stadtredaktion). Praktikanten gibt es ebenfalls wenige, kein Vergleich zum Beispiel zur FAZ, die immer mehrere Praktis gleichzeitig in der Stadtredaktion hat. So viel wird da also für den Nachwuchs nicht wegfallen. Viel schlimmer steht es um die Leute, die dort arbeiten.

christine 15.11.2012 15:20

AW: Insolvenzantrag der Frankfurter Rundschau
 
Zufällig weiß ich aus sicherer Quelle, dass die FR regelmäßig etliche Praktikanten pro Jahr im Einsatz hatte, eben nicht nur in der Stadtredaktion, sondern auch in den Außenredaktionen. In den Semesterferien waren dort immer Praktis, und oft auch während der Vorlesungszeit, weil sich manche Studis ein Urlaubssemester nahmen, um Praktika zu absolvieren. Und die Studis kamen nicht nur von der Uni Mainz (dort besonders aus den Studiengängen Journalismus und Publizistik, aber nicht nur), sondern mitunter auch aus anderen Hochschulorten.

Es stimmt zwar, dass die FR nach der "Volo-Orgie" 2006/2007, als 20 Bewerber - auch von extern - gleichzeitig eine Volozusage bekamen, in den Folgejahren nur noch wenige Volos einstellte. Aber auch jetzt sind noch welche in Ausbildung oder haben eine Zusage. Gilt ebenso für Praktikanten.

Abgesehen davon schrieb ich, dass es noch mehr kränkelnde Zeitungen gibt. Der FR werden noch andere folgen.

christine 15.11.2012 15:51

AW: Insolvenzantrag der Frankfurter Rundschau
 
Siehe dazu auch den Kommentar von Wolfgang Blau und die Diskussion auf seiner Facebook-Seite sowie den von ihm auch verlinkten taz-Kommentar von Ines Pohl. Meedia hat dazu auch noch die Chronik der angekündigten Print-Tode.

Nachtrag: Des Weiteren Moritz Meyers "2 Cents zum Aus der #FR".

Miriam86 15.11.2012 16:41

AW: Insolvenzantrag der Frankfurter Rundschau
 
Zur Insolvenz allgemein und dem möglichen "Zeitungssterben" gibt es ja einen anderen Thread in "Fragen und Antworten", schon seit Bekanntwerden der Insolvenz, in dem auch darüber diskutiert wird. Ist also durchaus Thema.

Und da ich in einer Außenredaktion der FR arbeite, kannst du mir meinen letzten Beitrag gern glauben. Es gibt hier kaum Praktikanten. Wenn ich das mit den Redaktionen vergleiche, in denen ich vorher war, ist es quasi nichts. Manchmal ein, zwei Jahre gar nicht, dann kommt mal wieder einer. Wir hatten im letzten Jahr einen Praktikanten. Auch in den anderen Redaktionen (außer Offenbach, dazu kann ich nichts sagen, weil ich mit den Kollegen dort kaum Kontakt habe), sieht es so aus, weil alle Redaktionen verkleinert wurden und schlicht die Zeit für Praktis fehlt. Das bindet sich von uns keiner mehr ans Bein, da hier durchaus der Gedanke herrscht, dass man einen Prakti nicht nur losschickt, sondern ihm auch was beibringt und ihn betreut.

In der Stadtredaktion gibt es in der Regel einen, der etwas länger Praktikum macht und hin und wieder mal Schülerpraktis für zwei, drei Wochen. Was das Volo angeht, so sind die meisten in Berlin Volo (also bei der Berliner Zeitung) und nicht bei der FR. Wenn ich mich recht entsinne, haben wir aktuell einen Volo bei der FR in Frankfurt und einen, der das Volo bald aufnehmen wollte.

christine 15.11.2012 17:00

AW: Insolvenzantrag der Frankfurter Rundschau
 
Und ich kenne Redakteure aus der Redaktion Wiesbaden, die hatten regelmäßig Praktis dort, obwohl die Redaktion ebenfalls personell nicht üppig besetzt ist. Im vergangenen Sommer flog dort 'mal eine Praktikantin raus, weil sie blutige Anfängerin war - sie studierte in einem Fernstudiengang "Journalismus", konnte aber nicht einmal die simpelsten Meldungen schreiben. Für solche Leute hat man dort einfach keine Zeit, ebensowenig für Schülerpraktis. Darum heißt es auch auf der FR-Website, dass die Bewerber schon erste journalistische Erfahrungen mitbringen sollten. Auch von der Redaktion Main-Taunus-Kreis weiß ich definitiv, dass die Praktikanten hatten. Wie gesagt, vom Journalistischen Seminar in Mainz kamen regelmäßig Leute zur FR, um dort eins ihrer Pflichtpraktika zu absolvieren.

Und ich finde es durchaus angebracht, auch im Ausbildungsforum über das Zeitungssterben zu diskutieren. Genau das meinte ich, als ich schrieb, dass es hier - also hier im Ausbildungsforum - kein Thema ist. Wer sich für den Beruf interessiert, sollte schon aus diesem Grund auch ein bisschen über den Medienmarkt Bescheid wissen. (Der Thread zum Zeitungssterben in "Fragen und Antworten" ist von der inhaltlichen Qualität der Beiträge her übrigens ziemlich Banane.)

Tralala 15.11.2012 17:17

AW: Insolvenzantrag der Frankfurter Rundschau
 
Hallo Christine,

dein Engagement in allen Ehren, aber ich finde es eigentlich nicht nötig, hier künstlich eine Diskussion anregen zu wollen. In einem Forum tauchen Fragen und Diskussionsthemen auf, die interessieren und zu denen die Threadersteller Menschen suchen, mit denen sie sich darüber unterhalten können. Wenn die FR hier kein Thema ist, dann doch wahrscheinlich, weil die Forennutzer in ihrem Umfeld genügend Leute haben, mit denen sie darüber reden können, oder weil kein Gesprächsbedarf besteht. Das Forum ist ja keine Zeitung, in der jedes Thema abgearbeitet werden muss, sondern ein Ort, an den man, wie oben schon gesagt, sich zu bestimmten Themen an Leute wenden kann, die man so nicht um sich hat (ich kenne z. B. niemanden in meinem Umfeld, der sich für die gleichen Stellen beworben hat wie ich und komme deshalb hierher, um mich darüber auszutauschen). Und nur, weil es hier noch nicht aufgetaucht ist, heißt das ja nicht, dass sich die Forennutzer nicht damit beschäftigen.

Grüße

christine 15.11.2012 17:27

AW: Insolvenzantrag der Frankfurter Rundschau
 
Es geht doch nicht nur um die FR, wie ich eingangs schon schrieb. Im November soll beispielsweise auch darüber entschieden werden, ob die FTD eingestellt wird. Und auf dem Markt der regionalen und lokalen Zeitungen sieht es mittelfristig auch nicht gut aus.

Dass die Nutzer dieses Forums in ihrem Umfeld genügend Leute haben, mit denen sie darüber reden können, wage ich sehr zu bezweifeln. Sonst kämen im Ausbildungsforum nicht die Fragen auf, die hier häufig und gern gestellt werden. Obendrein ist ein nicht geringer Teil der Nutzer hier ziemlich ahnungslos, was derzeitige und künftige Entwicklungen auf dem Medienmarkt betrifft.

Peter Hogenkamps Posting zeigt auf, dass das Problem ein generelles ist:

"Die deutschen Verleger und Verlagsmanager reagieren aber nun nicht, indem sie sagen: «Huch, die Einschläge kommen offenbar näher, Newsweek war ja noch weit weg, aber langsam sollten wir uns wirklich fragen, ob unser Blatt nicht das nächste ist, wenn wir nicht grundlegend etwas ändern», sondern sie flüchten sich in die immer gleichen reflexartigen Schuldzuweisungen."

Tralala 15.11.2012 17:33

AW: Insolvenzantrag der Frankfurter Rundschau
 
Na, dann warten wir doch mal ab, ob jemand darüber diskutieren will. Das hat ja schon sehr fruchtbar begonnen ("doch, die haben viele Praktis!" - "Nein, haben sie nicht!") und wird bestimmt noch interessant weitergehen ("wo soll das nur hinführen?" - "Hilfe, wir kriegen keine Jobs!") ;)
Ich mach nur Spaß. Aber wie gesagt, wenn jemand darüber reden will, wird er das schon tun =)

christine 15.11.2012 18:33

AW: Insolvenzantrag der Frankfurter Rundschau
 
Hast Du Dich nicht an der Henri-Nannen-Schule beworben? Die FTD erscheint bei Gruner + Jahr und hat seit ihrer Gründung 2000 durchgehend nur Verluste gemacht. Es könnte Dich also auch betreffen, sowohl im Hinblick auf eins der Pflichtpraktika als auch als Absolventin:

"So haben von den 40 Absolventen der letzten beiden Lehrgänge 30 eine Festanstellung erhalten: (...) 2 bei der Financial Times Deutschland (...)"

Na, warten wir mal ab, ob Dich die HNS nimmt. ;-)

Texte-Büro 15.11.2012 19:00

AW: Insolvenzantrag der Frankfurter Rundschau
 
Zitat:

Zitat von christine (Beitrag 85500)
(Der Thread zum Zeitungssterben in "Fragen und Antworten" ist von der inhaltlichen Qualität der Beiträge her übrigens ziemlich Banane.

Dann hättest du den Thread mit deiner Meinung ja "aufwerten" können. Ich wollte ja darüber diskutieren, aber allzu viele antworten gab es nicht.

Ich finde das mit der FR zwar auch schade, aber man muss es nicht überdramatisieren. Vielen Branchen haben momentan zu kämpfen. Auch Einzelhandelsunternehmen, Autohersteller und Banken müssen Kosten sparen und Stellen abbauen (z.B. aktuell die Commerzbank). Der Wirtschaftsboom ist vorbei.

Natürlich ist es schade, dass bei der FR vermutlich Jobs wegfallen. Bei der Diskussion wird aber vergessen, dass andererseits auch viele Jobs durch das Internet hinzugekommen sind. Alleine im Sportjournalismus, wo ich herkomme, gibt es Spox.com, Fussball.de, Goal.com, dfb.de, Sportschau.de, Sportal.de, NDRSport, ZDFsport.de, ran.de, Sport1.de und viele mehr. Überall gibt es Festangestellte sowie freie Mitarbeiter...Und weil ich für einige der genannten Medien tätig bin, weiß ich auch, dass das Honorar teilweise besser als bei den Zeitungen ist.

Miriam86 15.11.2012 19:06

AW: Insolvenzantrag der Frankfurter Rundschau
 
Zitat:

Zitat von christine (Beitrag 85500)
Und ich kenne Redakteure aus der Redaktion Wiesbaden, die hatten regelmäßig Praktis dort, obwohl die Redaktion ebenfalls personell nicht üppig besetzt ist. Im vergangenen Sommer flog dort 'mal eine Praktikantin raus, weil sie blutige Anfängerin war - sie studierte in einem Fernstudiengang "Journalismus", konnte aber nicht einmal die simpelsten Meldungen schreiben. Für solche Leute hat man dort einfach keine Zeit, ebensowenig für Schülerpraktis. Darum heißt es auch auf der FR-Website, dass die Bewerber schon erste journalistische Erfahrungen mitbringen sollten. Auch von der Redaktion Main-Taunus-Kreis weiß ich definitiv, dass die Praktikanten hatten. Wie gesagt, vom Journalistischen Seminar in Mainz kamen regelmäßig Leute zur FR, um dort eins ihrer Pflichtpraktika zu absolvieren.

Natürlich gibt es mal Praktis (und davon überwiegend aus Mainz), das hab ich ja auch geschrieben, aber eben nicht viele. Mag sein, dass wir da andere Ansichten von den Bedeutungen der Wörter viel und regelmäßig etc. haben, aber ich habe nie in Verlagen gearbeitet, in denen ein Prakti für zwei/drei Monate pro Jahr viel war. Einer pro Jahr pro Außenredaktion könnte man aber als "regelmäßig" bezeichnen, wenn man so wollte. Übrigens interessant, dass du dich offenbar in meiner Redaktion besser auszukennen glaubst als jemand, der dort arbeitet, was das Personal hier angeht :-O

jmh 15.11.2012 19:24

AW: Insolvenzantrag der Frankfurter Rundschau
 
Ich habe Journalismus in Mainz studiert und von uns 20 haben alleine 2 das erste Praktikum bei der FR gemacht. Gab sogar 100 Euro pro Monat. Zwar eigentlich nix, aber immerhin 100 Euro mehr als bei vielen Lokalzeitungen. Beide haben nachher auch weiter für die FR gearbeitet - wenn auch meist nur in der Online-Redaktion. Mit Volontariaten sah es zuletzt sehr mau aus. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Im Nachhinein kann man ja fast froh sein, dass sie mich nicht wollten.

Fakt ist die FR ist die erste große, die es erwischt. Es wird nicht die letzte sein. Bei den G+J Wirtschaftsmedien gibt es 6 Volostellen jedes Jahr. Wer weiß wie lange noch. Online alleine wird das nicht ersetzen. Ich habe von Redakteuren bei Spox gehört, die ihre Miete in München kaum bezahlen konnten. So fett kann die Bezahlung dor also auch nicht sein.

Texte-Büro 15.11.2012 19:33

AW: Insolvenzantrag der Frankfurter Rundschau
 
Zitat:

Zitat von jmh (Beitrag 85507)
Online alleine wird das nicht ersetzen. Ich habe von Redakteuren bei Spox gehört, die ihre Miete in München kaum bezahlen konnten. So fett kann die Bezahlung dor also auch nicht sein.

Ich weiß nicht, wie hoch das Gehalt der Festangestellten ist. Aber ich weiß, was ein freier Mitarbeiter bekommt. Und das ist in Ordnung. Für ein Interview, das einen halben Tag Arbeit macht, etwa 150 Euro.Das zahlen manche Zeitungen (leider) nicht.

jmh 15.11.2012 20:10

AW: Insolvenzantrag der Frankfurter Rundschau
 
Kann ja auch an den unverschämt hohen Mieten in München liegen :lol:


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