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-   -   Nein zum Dumping-Tarif für junge Journalisten (http://www.journalismus.com/_talk/showthread.php?t=30242)

FAJunge 02.05.2011 09:07

Nein zum Dumping-Tarif für junge Journalisten
 
Virtuelle Unterschriftenaktion
Junge Journalisten wollen sich bei den laufenden Tarifverhandlungen für Tageszeitungen nicht mit Dumping-Löhnen abspeisen lassen und wehren sich. Der Fachausschuss Junge Journalisten des DJV Baden-Württemberg hat deshalb eine Unterschriftenaktion gestartet, um ein Zeichen zu setzen, dass wir dank vieler Unterstützer stark sind und uns das "Angebot" der Verleger nicht einfach so gefallen lassen. (Informieren und) Solidarisch erklären kann man sich unter folgender Adresse:
http://www.openpetition.de/petition/...er-gute-arbeit

Wir freuen uns über viele Mitzeichner.
Link darf gerne weiterverbreitet werden :-)

christine 06.09.2011 19:27

AW: Nein zum Dumping-Tarif für junge Journalisten
 
Der Dumping-Tarif für Volos und junge Journalisten sollte nach der Tarifeinigung eigentlich vom Tisch sein, aber wie zu erwarten war, versuchen es jetzt Verlage auf eine andere Tour. Zu denen, die es nun auch über Ausgliederung machen, gehört auch der "Schwarzwälder Bote". Bei dem bekommen Volos nun 877,50 Euro monatliche Vergütung plus 351 Euro freiwillige Zulage (die bekanntlich jederzeit gestrichen werden kann). Das macht 1.228,50 Euro brutto.* Dazu gilt eine 40-Stunden-Woche, es gibt nur 27 Urlaubstage und weder Weihnachts- noch Urlaubsgeld.

Mehr Infos gibt es hier: http://www.streikbote.de und vor allen Dingen hier:

http://www.streikbote.de/2011/08/23/...heit/#more-831

Gerüchteweise soll bei den Volokursen auch noch gestrichen werden, das heißt, die Ausbildung wird qualitativ gewiss nicht besser.

Mit anderen Worten: Diese Volos sind nicht attraktiv und man sollte sich gut überlegen, ob man sich dort überhaupt noch bewirbt. Denn nach dem Volo wird das ja nicht besser.

* Netto ergibt das für einen 25-jährigen Single, der auch Kirchensteuer zahlt, etwa 920,38 Euro im Monat.

punky 07.09.2011 22:52

AW: Nein zum Dumping-Tarif für junge Journalisten
 
http://www.journalismus.com/_talk/sh...1954#post81954

Ich greife die dort genannte Idee einer schwarzen Liste mal auf.

Hier gibt es ja schon eine:
http://www.djv.de/DJV-Liste-Tarifumg...r-V.629.0.html

Mir stellt sich angesichts dieser Liste die Frage, wer überhaupt noch nach Tarif zahlt.

Wer Volo-Gehälter/Bedingungen kennt, kann sie ja hier posten.

christine 08.09.2011 09:39

AW: Nein zum Dumping-Tarif für junge Journalisten
 
Die Schwäbische Zeitung bezahlt die Volos schon seit einigen Jahren unter Tarif, spendiert ihnen aber immerhin noch Volo-Kurse an der ABZV in Bonn. Die Volos kommen in verschiedene Außen- und Mantelredaktionen, müssen also während des Volos in der Regel mehrmals umziehen (großes Verbreitungsgebiet), es gibt Früh- und Spätschichten, auch in den Lokalredaktionen. Jungredakteure werden ebenfalls unter Tarif eingestellt, die Arbeitsbelastung ist insbesondere in den Lokalredaktionen sehr hoch.

christine 08.09.2011 13:16

AW: Nein zum Dumping-Tarif für junge Journalisten
 
Ah, interessiert Euch das Thema allmählich doch ein bisschen. 900 Klicks sind es inzwischen (OK, einige davon sind von mir), aber das sind immer noch nicht einmal halb so viele wie der Thread "Ich blicke nicht ganz durch" bislang bekommen hat. Ich wundere mich doch ein wenig, warum dieses Thema hier so untergeht - dabei betrifft Euch das.

Texte-Büro 09.09.2011 02:03

AW: Nein zum Dumping-Tarif für junge Journalisten
 
Vielleicht interessiert es viele nicht, weil es ohnehin nichts bringt, hier deswegen zu meckern. Oder es interessierte die Leute nicht, weil ein Volo immer unwichtiger wird. Festanstellungen sind ohnehin selten und für eine Tätigkeit als freier Journalist ist ein Volo (zumindest meiner Erfahrung nach) nicht sonderlich wichtig.

Miriam86 09.09.2011 12:12

AW: Nein zum Dumping-Tarif für junge Journalisten
 
Ich denke, es hat viel damit zu tun, dass es für einige hier noch zu früh ist, sich darüber Gedanken zu machen. Außerdem haben junge Journalisten einen ganz anderen Druck - streiken wir, kriegen wir entweder keinen Anschlussvertrag oder unsere befristeten Verträge werden nicht verlängert. Ich hab während meiner (zugegeben nur dreiwöchigen) Jobsuche gegen Ende des Volos kein einziges Angebot mit Tarifvertrag gefunden.

Auch wenn der Weser-Kurier inzwischen OT ist, die Volos werden (noch) nach Tarif bezahlt.

christine 14.09.2011 20:22

AW: Nein zum Dumping-Tarif für junge Journalisten
 
Es geht nicht darum, hier zu meckern, sondern sich zu informieren (auch gegenseitig). Es ist auch noch nicht für einige zu früh, sich darüber Gedanken zu machen, denn bei der Berufswahl gehört es dazu, sich vorab über die späteren Verdienstmöglichkeiten zu informieren. Daher habe ich auch eher das Gefühl, es könnte doch ein Zusammenhang bestehen mit solch viel geklickten Threads wie "ich blicke nicht durch". ;-)

Klar, es fragt kaum einer, wenn man als freier Journalist arbeitet, ob man ein Volo oder Journalistikstudium absolviert hat, es zählen vielmehr die Qualität der Arbeit und Zuverlässigkeit. Eine gute, vielseitige journalistische Ausbildung hilft einem dabei aber - weil man dann besser ist als die anderen. Und dann muss man das auch nicht über den Preis regeln, indem man billiger ist als der Wettbewerber.

Wer nur SEO-Texte für zwei Cent pro Wort schreibt, braucht auch keine tolle Ausbildung, der muss nur schnell sein. Alle anderen tun aber gut daran, sich gut ausbilden zu lassen und danach stets weiterzubilden - gerade als hauptberuflicher Freier.

Ein Volo ist natürlich keine Garantie für eine gute Ausbildung, ich weiß von Volos, die in den Lokalredaktionen versauerten und sich dort abrackerten, aber nur für zwei Wochen in den Mantelteil durften, wenn der Volo aus der Politik- und Nachrichtenredaktion gerade mal im Urlaub war. Jener Volo machte übrigens dort kaum etwas anderes als dpa-Meldungen ein bisschen umzuschreiben. Alle Volos bekamen auch nur Inhouse-Seminare. So ein Volo kann man in der Pfeife rauchen. Ebenso habe ich schon gestandene Tageszeitungsredakteure von Regional- und Lokalzeitungen getroffen, die im Grunde nie was anderes geschrieben haben als jede Menge Berichte und ab und an noch Kommentare, aber von Story Telling usw. hatten die keine Ahnung (geschweige denn von Crossmedia, Online-, Radio- oder TV-Journalismus). Ein paar von denen war zu dem Zeitpunkt gerade gekündigt worden. Die standen dann ziemlich dumm da.

Ich höre häufig von jungen Kollegen, die mit viel Enthusiasmus in den Beruf gestartet sind, schlecht bezahlte Volos absolviert haben, um danach als Pauschalist, Redakteur in Leiharbeit oder untertariflich bezahlter Redakteur mit befristetem Vertrag ihr Dasein zu fristen. Entsprechend geben auch viele den einst so ersehnten Beruf auf. Der Branchenkenner Wolfang Kiesel nannte im Jahr 2008 einmal konkrete Zahlen. Demnach beginnen jährlich etwa 2.700 Berufsanfänger als Journalisten, von denen ein Drittel nach einem Jahr wieder aufhört, weil sie keinen Job finden. Und wo bleiben die alle?

Auch wenn Journalismus zum Frauenberuf geworden ist, ist nicht davon auszugehen, dass die alle plötzlich heiraten und Kinder kriegen, mit denen sie dann daheim sitzen. Ein Großteil wechselt vermutlich in einen anderen Beruf - und hat dort ohne adäquate Ausbildung häufig wieder schlechtere Chancen, angemessen bezahlt zu werden und Karriere zu machen. Für diese Leute wäre es wohl sinnvoller gewesen, gleich eine andere Ausbildung zu machen. Und genau darum ist es wichtig, sich vorab gut zu informieren.

Miriam86 15.09.2011 11:25

AW: Nein zum Dumping-Tarif für junge Journalisten
 
Jeder, der sich ernsthaft informiert, liest vorher, dass im Journalismus nur wenig Geld zu verdienen ist. Darum ging es mir in meinem Post gar nicht.
Ich glaube einfach, dass es für viele hier um Studien- und Volofragen geht - da geht es um Grundinformationen (wozu Gehalt auch zählt). Über die ganzen Gepflochtenheiten rund ums Thema Dumpinglöhne lernt man erst, wenn man einen Arbeitsvertrag hat. Kenne ich jedenfalls aus meinem Umfeld so. Sprich: sich dagegen zu engagieren (oder die bewusste Entscheidung zu treffen, es nicht zu tun), kommt mitunter erst, wenn man fest in einer Redaktion arbeitet und ständig damit konfrontiert wird (oder man sich als Freier etabliert hat).

christine 15.09.2011 13:54

AW: Nein zum Dumping-Tarif für junge Journalisten
 
Gewiss, viele wissen, dass der Markt schwierig ist und die Bezahlung eher mau, Neulinge im Forum erwähnen das auch häufiger einmal. Mein Eindruck ist jedoch, dass es eher ein abstraktes Wissen ist (und nicht selten steht trotzdem die Hoffnung dahinter, man selbst möge derjenige sein, der nach der Ochsentour durch freie Mitarbeit und Volo bei einer Tageszeitung doch noch eine Festanstellung nach Tarif bekommt) - und dass sich viele nicht wirklich vorstellen können, was bei Zeilenhonoraren, Tagessätzen oder Gehältern dann tatsächlich netto übrigbleibt.

Hier besteht aber nun die Möglichkeit, es schon vorher zu lernen (und nicht erst, wenn man in einem Arbeitsvertrag damit konfrontiert wird) und sich dann zu überlegen, ob man sich dagegen engagiert oder nicht. Darum finde ich den Vorschlag von punky gut, konkrete Beispiele mit Zahlenangaben zu nennen, und hoffe, dass noch mehr dabei mitmachen.

punky 15.09.2011 16:19

AW: Nein zum Dumping-Tarif für junge Journalisten
 
Erst im Arbeitsvertrag? Also ich finde schon, dass man den Mut haben sollte, da im Vorstellungsgespräch nach zu fragen. (Wenn es nicht schon in der Ausschreibung angegeben ist.) Genau wie nach den vorgesehen Seminaren, Ausbildungsstationen etc. Sonst kauft man doch die Katze im Sack - und das ausgerechnet als Journalist!?

Miriam86 19.09.2011 11:59

AW: Nein zum Dumping-Tarif für junge Journalisten
 
Ich habe als ersten Arbeitsvertrag den Volovertrag gesehen. Das war bei mir ein Tarifvertrag, gabs also nichts zu verhandeln.
Und in den zwei Jahren Volo habe ich dann angefangen, mit mit der ganzen Diskussion auseinanderzusetzen. Denn vorher waren die Details dieser Lohndiskussionen einfach nicht oberste Priorität - am wichtigsten waren mir Dinge wie Voraussetzungen für ein Volo, wo gibt's ein gutes Volo und welche Möglichkeiten habe ich damit danach.


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