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Schweinswal 04.03.2011 14:14

AW: Freier: Ist es wirklich so schlimm bei euch?
 
Klar, es gibt auch Texte, die man problemlos in einer Stunde runterschreibt. Bei meinem Job als fester Freier war das eher die Regel. Bei wirklich freien Aufträgen habe ich i.d.R. wesentlich länger gebraucht. Hing auch damit zusammen, dass das bei mir die Ausnahme war, ein kleines Zubrot, wo ich dann auf meinen Stundenlohn nicht groß geachtet habe. Quasi aus Dankbarkeit, mal nicht über ein völlig belangloses Thema schreiben zu dürfen. Auf der anderen Seite waren bei den Auftraggebern (Monatsmagazine) aber auch die Ansprüche höher.
Im Grunde liegt doch der Zwang, schludrige Arbeit abzuliefern, in fast allen Branchen im Trend. Macht man dann schnell, schnell und man leistet sich einen Schnitzer, ist das Gemecker groß. Dazu kommt für Freiberufler das Problem, sich zur Oberflächlichkeit zu zwingen, wenn kein Chef hinter einem steht, der einem sagt, bis dann und dann muss der Auftrag fertig sein. Bei kurzfristigen Aufträgen, z.B. für Tageszeitungen, mag das noch angehen. Die Gefahr der Selbstausbeutung ist jedenfalls bei freien Journalisten sehr groß. Das gegenseitige Unterbieten kommt noch dazu. Wahrscheinlich gibt es einfach zu viele Idealisten in diesem Job ...

Shanti 05.03.2011 06:37

AW: Freier: Ist es wirklich so schlimm bei euch?
 
@ Texte-Buero: Die fuenf bis zehn REPORTAGEN, die du im Monat zusaetzlich zu den ganzen anderen Kram noch schreibst, wuerde ich ja zu gerne lesen. Reportagen sind schliesslich die Koenigsdisziplin des Journalismus und brauchen, egal welches Thema man sich da raussucht, mindestens ein bis zwei Tage der Recherche vor Ort und selbst Blitzschreiber brauchen dann nochmal mindestens einen Tag, um sie zu Papier zu bringen.

SISCH 05.03.2011 11:44

AW: Freier: Ist es wirklich so schlimm bei euch?
 
@Texte-Büro: Du hast eingangs geschrieben, Du seist Quereinsteiger ohne Studium und ohne Volo. Nun schreibst Du, Du hättest diesen Beruf gelernt. Darf ich fragen, wie und wo? Die Frage ist nicht böse gemeint, könnte aber vielleicht ein wenig Aufschluss geben. Und: Aufschlussreich wären auch Deine zahlreichen Reportagen und anderen journalistischen Texte. Die sind ja auf Deiner Webseite nicht zu finden, was mich ehrlich gesagt sehr wundert. Denn selbst wenn es aufgrund der guten Auftragslage nicht so wichtig für Dich ist, sie zu aktualisieren, würde ich es an Deiner Stelle dennoch tun. Wer präsentiert sich denn freiwillig öffentlich als SEO-Schreiberling (o. ä.), wenn er doch mittlerweile hauptsächlich "echte" journalistische Arbeit macht?
Es freut mich, dass es Dir finanziell gut geht, aber es geht mir ein wenig auf den Pinsel, dass Du dauernd von einer "Jammerkultur" redest. Ich habe als Freie soviel (bzw. so wenig) Geld verdient, dass ich davon gerade mal über die Runden gekommen bin, aber: Dafür habe ich meine Arbeit so gemacht, wie ich sie bis heute tue, nämlich sorgfältig und mit dem Anspruch, Dinge zu hinterfragen und so darzustellen, wie sie vielleicht kein anderer darstellt. Das braucht seine Zeit und wird nicht so honoriert, dass es sich finanziell wirklich lohnt - das gilt i. ü. mittlerweile auch für die meisten Festanstellungen. Das finde ich nicht in Ordnung, sage das aber ohne Jammern, weil ich in erster Linie meinen Beruf gut machen und erst in zweiter Linie Kohle scheffeln will. Wäre mir das am wichtigsten, wär ich Lehrer oder Anwalt oder Banker geworden.
Ich kenne viele Freischreiber, die schnell sind und (relativ) viel Geld machen, aber meistens schaffe ich es nicht, deren Texte bis zum Ende zu lesen - vorher bin ich eingedöst. Sauber und schnell Abliefern bedeutet meistens nicht, seine Sache gut zu machen. Wenn man Zeit braucht, hat das nichts damit zu tun, dass man zu langsam ist. Ich habe lange für eine große Tageszeitung gearbeitet, und wenn einer der festangestellten Redakteure z.B. eine größere Reportage machen wollte, dann wurde er dafür durchaus mal eine Woche lang komplett vom Tagesgeschäft freigestellt - und diese Zeit hat er auch gebraucht! Diesen Luxus (, der eigentlich keiner sein sollte) leisten sich allerdings nur noch wenige - das ist die Realität, und das ist traurig.

Schweinswal 06.03.2011 20:41

AW: Freier: Ist es wirklich so schlimm bei euch?
 
@Freak
Erst mal danke für die Tipps. Ich weiß nicht, ob ich das richtig verstanden habe. Was meinst Du mit "Bewerbungen"? Für dauerhafte Jobs brauche ich mich ohne Volo doch eh nicht zu bewerben. Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen.
Im Grunde kann ich doch nur einzelne Artikel verkaufen und das geht bei Auftraggebern, die mich noch nicht kennen, fast nur, indem ich da zig mal anrufe und bettele, man möge mir doch für einen Appel und 'n Ei diesen Artikel abkaufen. E-Mails werden normalerweise ja eh nicht gelesen, jedenfalls nicht beantwortet. Oder liege ich da falsch?
Was ich will und was mir Spaß macht, überlege ich schon lange nicht mehr. Ich glaube, das war der große Fehler, darüber zu viel nachzudenken. Leute, die so viel verdienen, dass sie über die Runden kommen, machen in der Regel etwas, das nur bedingt Spaß macht. Deshalb gibt es auch nicht so viele Bewerber, vor allem aber nicht wie im Journalismus Konkurrenten, die den Job auch noch für umsonst machen.
Wenn ich mir ansehe, was eventuell noch in benachbarten Berufsfeldern in Frage käme, sehe ich auch schwarz. PR - dafür bin ich wirklich nicht der Typ; Lektorat - ebenfalls mies bezahlt, massig Konkurrenz und die Akquise stelle ich mir auch nicht einfach vor; Ghostwriter für Doktorarbeiten ginge eventuell ...
Ich habe auch schon (ernsthaft) darüber nachgedacht, das Rauchen aufzugeben, um mich als Medikamententester verdingen zu können. Ist immerhin eine sinnvolle Tätigkeit und wird gut bezahlt. :)
Eine andere Möglichkeit wäre, was völlig anderes zu machen. Geht natürlich nur, wenn man den Job auch freiberuflich machen kann, da ich für eine Anstellung ja "zu alt" bin. Irgendwas mit Informatik vielleicht. Die Finanzierung ist ein Problem, aber vielleicht findet sich da eine Lösung. Arge und Bildungsgutschein, sicher nicht. Zu unwahrscheinlich. Noch ein Studium wäre da schon realistischer. Vielleicht findet sich ja alte Informatik-Studis wenigstens noch ein Studi-Job. Wenn nicht, muss ich es eben knicken.

Hessenreporter 06.03.2011 20:45

AW: Freier: Ist es wirklich so schlimm bei euch?
 
Zitat:

Zitat von Reporterin (Beitrag 80467)
Das ist doch ganz einfach. Keine ernstliche Recherche, keinen Interviewpartner und dann schaffe ich einen Artikel in 4-5 Stunden.

4-5 Stunden für einen Artikel ohne Recherche? Ist das ein Witz?

Texte-Büro 07.03.2011 00:41

AW: Freier: Ist es wirklich so schlimm bei euch?
 
@Schweinestall:
Du braucht nicht für jede Festanstellung ein Volo. Auch eine andere journalistische Ausbildung oder langjährige Berufserfahrung ist meist ausreichend. Ich spreche da aus Erfahrung. Mittlerweile ist es mir allerdings egal, weil ich keine Festanstellung mehr möchte.

@Shanti:
Völlig richtig. Ein (manchmal auch zwei) Tage Recherche und einen Tag schreiben mag schon hinkommen. Aber nutze ich meine Zeit vielleicht etwas besser. Wenn ich zum Beispiel sechs Stunden an einem Tag Recherche gemacht habe, kann ich am Abend vielleicht noch einen Ratgebertext oder einen anderen Text schreiben, der mir schnell von der Hand geht. Neben der Arbeit an einer Reportage lohnt es sich, noch ein wenig Zeit in einfache Texte zu stecken, die eben schnelles Geld bringen. Das gehört für mich genauso zum Arbeitsalltag wie die spannenden Reportagen.

@Reporterin:
Zu meinem Werdegang, der dich scheinbar interessiert: Nachdem ich in dem bereits erwähnten Beruf als Schauspieler nicht genügend Erfolg hatte, habe ich mit einfachen Seo-Texten etc. mich über Wasser gehalten. Später kamen dann erste Zeitschriftenverlage zu. Das journalistische Handwerk habe ich zunächst autodidaktisch gelernt. Trotzdem habe ich danach noch ein sogenanntes Fernstudium an einer Journalistenschule absolviert. Allerdings hatte ich durch mein "Selbststudium" zuvor das Handwerk wohl schon gut gelernt. Denn viel Neues habe ich während des Fernstudiums nicht gelernt. Berufserfahrung habe ich nicht nur als Freiberufler. Ich habe auch bereits in zwei Redaktionen als festangestellter Redakteur gearbeitet. Daher kann ich wohl sagen, dass ich den Beruf auch ohne Studium und Volo mittlerweile ganz gut kenne.

Abgesehen davon kann man nicht sagen, je länger man an einem Artikel arbeitet, desto besser ist er. Manche brauchen länger, manche brauchen etwas kürzer. Das ist doch überall so. Und zugegeben: Ich habe auch bei der Arbeit in den Redaktionen festgesellt, dass ich etwas schneller bin als die meisten anderen Redakteure. Nicht weil ich ein Wettrennen veranstalten möchte, ich bin eben einfach etwas schneller. Und? Muss ich mich dafür jetzt entschuldigen? Viele Redaktionen, für die ich nun als Freiberufler arbeite, sind sehr kritisch und legen viel Wert auf hohe Qualität. Aber da diese Auftraggeber mir treu erhalten bleiben, selbst bei ordentlichen Preisen, mache ich ja wohl irgendwas richtig.

Texte-Büro 07.03.2011 00:46

AW: Freier: Ist es wirklich so schlimm bei euch?
 
@Schweinestall:
Du braucht nicht für jede Festanstellung ein Volo. Auch eine andere journalistische Ausbildung oder langjährige Berufserfahrung ist meist ausreichend. Ich spreche da aus Erfahrung. Mittlerweile ist es mir allerdings egal, weil ich keine Festanstellung mehr möchte.

@Shanti:
Völlig richtig. Ein (manchmal auch zwei) Tage Recherche und einen Tag schreiben mag schon hinkommen. Aber nutze ich meine Zeit vielleicht etwas besser. Wenn ich zum Beispiel sechs Stunden an einem Tag Recherche gemacht habe, kann ich am Abend vielleicht noch einen Ratgebertext oder einen anderen Text schreiben, der mir schnell von der Hand geht. Neben der Arbeit an einer Reportage lohnt es sich, noch ein wenig Zeit in einfache Texte zu stecken, die eben schnelles Geld bringen. Das gehört für mich genauso zum Arbeitsalltag wie die spannenden Reportagen.

Abgesehen davon kann man nicht sagen, je länger man an einem Artikel arbeitet, desto besser ist er. Manche brauchen länger, manche brauchen etwas kürzer. Das ist doch überall so. Und zugegeben: Ich habe auch bei der Arbeit in den Redaktionen festgesellt, dass ich etwas schneller bin als die meisten anderen Redakteure. Nicht weil ich ein Wettrennen veranstalten möchte, ich bin eben einfach etwas schneller. Und? Muss ich mich dafür jetzt entschuldigen. Viele Redaktionen, für die ich nun als Freiberufler arbeite, sind sehr kritisch und legen viel Wert auf hohe Qualität. Aber da diese Auftraggeber mir treu erhalten bleiben, selbst bei ordentlichen Preisen, mache ich ja wohl irgendwas richtig.

@Reporterin:
Zu meinem Werdegang, der dich scheinbar interessiert: Nachdem ich in dem bereits erwähnten Beruf als Schauspieler nicht genügend Erfolg hatte, habe ich mit einfachen Seo-Texten etc. mich über Wasser gehalten. Später kamen dann erste Zeitschriftenverlage zu. Das journalistische Handwerk habe ich zunächst autodidaktisch gelernt. Trotzdem habe ich danach noch ein sogenanntes Fernstudium an einer Journalistenschule absolviert. Allerdings hatte ich durch mein "Selbststudium" zuvor das Handwerk wohl schon gut gelernt. Denn viel Neues habe ich während des Fernstudiums nicht gelernt. Berufserfahrung habe ich nicht nur als Freiberufler. Ich habe auch bereits in zwei Redaktionen als festangestellter Redakteur gearbeitet. Daher kann ich wohl sagen, dass ich den Beruf auch ohne Studium und Volo mittlerweile ganz gut kenne.
Und zu meiner Webseite: Ich kann mich wirklich nur wiederholen. Da ich laut aktuellem Stand mindestens bis Ende August keinen neuen Auftraggeber mehr annehmen könnte, ist die Webseite derzeit nicht weiter wichtig. Da ich keine Google AdWords Anzeigen geschaltet habe, dürfte auch kaum jemand die Seite zu Gesicht bekommen. Daher ist der Inhalt der Webseite momentan völlig egal. Ich wollte das im Sommer aber auf jeden Fall überarbeiten. Momentan habe ich einfach anderes zu tun

Shanti 07.03.2011 01:39

AW: Freier: Ist es wirklich so schlimm bei euch?
 
Schade ...im Netz finde ich nicht eine einzige Reportage von dir und auch keinen anderen Text in irgendeinem Qualitaetsmedium... eigentlich gar keinen Text ausser den paar Servicetexten auf deiner Homepage...fuer einen erfolgreichen Journalisten ist das schon sehr merkwuerdig...

Texte-Büro 07.03.2011 01:48

AW: Freier: Ist es wirklich so schlimm bei euch?
 
Die meisten Texte landen auch in den Zeitschriften und nicht im Internet. Wie bereits erwähnt schreibe ich hauptsächlich für Sportzeitschriften, bei denen auf der Webseite ein paar Kurznachrichten zu finden sind, aber keine großen Reportagen. Abgesehen davon muss ich dir jetzt auch nichts beweisen. Ich erzähle die von meinen Erfahrungen. Und ich weiß ehrlich gesagt nicht, warum es so unglaublich für dich klingt, dass man eine gute Reportage zum Beispiel innerhalb von eineinhalb Tagen schreiben kann.

Und abgesehen davon: Wenn ich deinen Namen bei Google eingebe, lande ich auch nicht auf der Webseite eines Qualitätsmediums. Ich lande nur auf deinem Textsalon. Und um mich noch einmal zu wiederholen: ICH HABE MEINE WEBSEITE SEIT ZWEI JAHREN NICHT MEHR AKTUALISIERT, DAHER FINDEST DU AUCH DORT KEINE REPORTAGE.

Und ganz abgesehen davon: Was ist eigentlich deine Botschaft? Dass die ganze Branche eine Katastrophe ist und man von dem Beruf nicht leben kann? Ja gut, dann such dir einen anderen Beruf. Ansonsten sollte man hier nicht ständig rummeckern. Damit meine ich jetzt nicht nur dich, sondern viele hier im Forum.

Shanti 07.03.2011 02:48

AW: Freier: Ist es wirklich so schlimm bei euch?
 
Warum sollte meine Botschaft sein, dass die ganze Branche eine Katastrophe ist und man von dem Beruf nicht leben kann?

Wenn du meinen Namen tatsaechlich gegoogelt hast, weisst du ja, was ich so mache und wenn die Zeitungen und Magazine fuer dich keine Qualitaetsmedien sind, ist mir das wurscht - dann lohnt es sich aber auch nicht, mit dir ueber echten Journalismus zu reden.

Und deinen Kollegen das Wort zu verbieten, ist allgemein nicht sonderlich produktiv...meinetwegen, kann jeder so viel rummeckern wie er will.

Reporterin 07.03.2011 09:23

AW: Freier: Ist es wirklich so schlimm bei euch?
 
Ich denke, hier liegt ein Mißverständnis vor. Der TE kennt einfach nicht den Unterschied zwischen Journalismus und Texten. Während Texter schreiben, liegt die Hauptarbeit beim Journalismus beim Recherchieren. Jemand der nicht sauber recherchiert, dem spreche ich ab, ein Journalist zu sein.

Und nein, TE, ich habe mich nicht nach deinem Werdegang erkundigt. Der interessiert mich nicht. Das war wohl jemand anders.......

Nala 07.03.2011 10:56

AW: Freier: Ist es wirklich so schlimm bei euch?
 
Irgendwie finde ich euer Rumgehacke schon merkwürdig. Dieses Forum sollte uns Journalisten - Angestellte wie Freie - Hilfestellung geben. Um von anderen Rat und Unterstützung zu erfahren und sich fachlich auszutauschen. Stattdessen macht ihr einander fertig und spioniert über Google wer für ein besseres Medium schreibt oder tollere Reportagen schreiben kann. Geht’s noch???

Texte-Büro 07.03.2011 11:13

AW: Freier: Ist es wirklich so schlimm bei euch?
 
@Reporterin
Natürlich kenne ich den Unterschied zwischen Texten und journalistischer Arbeit. Heute schreibe ich zum Beispiel eine Reportage über Schiedsrichter, wofür ich die letzten Tage viele Interviews geführt habe.

birk 08.03.2011 08:14

AW: Freier: Ist es wirklich so schlimm bei euch?
 
Ich glaube, dass das Problem ganz wo anders liegt. Ich erlebe es immer wieder, dass Journalisten selten wie Geschäftsleute denken. Klar sind Honorar häufig wenig berauschend.
Aber zum Teil sind es gerade die Mehrfachverwertungen, die auch schlechte Honorare lohnend machen. Ich mache sehr viele Interviews, da viele Zeitungen nur wenig Platz für Interview haben. Kann ich ein Interview einfach splitten, jede Zeitung bekommt das exklusives Material und ist glücklich. Aus dem Interview ziehe ich noch ein paar O-Töne für ein Web-Porträt und fertig ist mein Textpaket mit lohnender Bezahlung.
Man muss dabei immer sehen, wie hoch der eigene Anspruch wirklich ist. Ich kenne genug richtig gute und kritische Journalisten, die für Magazine der Krankenkasse Texte schreiben, bei denen sie 1-2 Stunden schreiben und recherchieren. Diese Texte bringen Geld und haben vielleicht einen schnellen Ratgebercharakter.
Ich glaube als freier Journalist muss man sich gut verkaufen können und wirklich überzeugend und selbstbewußt auftreten. Nur mit einer großen Portion Dreistigkeit und Überzeugungskraft kommt man die guten Auftraggeber.

Hessenreporter 08.03.2011 18:53

AW: Freier: Ist es wirklich so schlimm bei euch?
 
Zitat:

Zitat von birk (Beitrag 80533)
Ich glaube als freier Journalist muss man sich gut verkaufen können und wirklich überzeugend und selbstbewußt auftreten. Nur mit einer großen Portion Dreistigkeit und Überzeugungskraft kommt man die guten Auftraggeber.

Journalisten sind halt nicht automatisch gute Geschäftsleute oder übermässig kreativ, nur weil sie Journalisten sind. Ich kenne welche, die von Selbstvermarktung keine Ahnung haben. Ich kenne auch welche, die vor lauter Bequemlichkeit einen Beamtenjob geradezu herbeisehnen und sich nur angewidert von Termin zu Termin schleppen um hernach Durchschnittsware zu produzieren. Letztere werden vermutlich spätestens ab 40 endgültig der Verzweiflung nahe sein, weil eine Festanstellung mit Schreibtisch an der warmen Redaktionsheizung immer noch nicht Realität geworden ist.

Sorry, aber Journalist zu sein, ist ein verdammt toller Beruf! Aber eben nichts für Jedermann oder Jederfrau.


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