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SISCH 06.04.2010 14:49

Das leidige Thema "Honorar"
 
Bereits vor längerer Zeit habe ich mich auf ein Jobangebot aus diesem Forum beworben. Gesucht wurde jemand, der Textbeiträge, aber auch Interviews und Reportagen für ein Weblog erstellt. Zitat: "Wichtig für uns ist: Exklusive Verwendung."
Heute bekam ich eine Antwortmail mit u.a. folgendem Satz: "Das durch die zahlreichen Bewerbungen ermittelte Maximalhonorar beläuft
sich dann allerdings auf 3-5 Cent je Wort."

Unter der Voraussetzung, dass dieser Satz stimmt, möchte ich hiermit meinen großen Unmut darüber äußern, dass es offenbar eine Menge Mitglieder dieses Forums gibt, die sich für Dumping-Löhne anbieten. Ich kann und will Auftraggebern auf keinen Fall die alleinige Schuld an miesen Honoraren geben, wenn es denn tatsächlich so sein sollte, dass sich der Bewerber-Durchschnitt freiwillig für maximal 5 Cent pro Wort für Interviews und Reportagen anbietet, und das auch noch ohne Chance auf Zweitverwertungen.

Eine der neuen Forumsregeln, die besagt, dass "Dumpingangebote" hier nicht veröffentlicht werden, wird ad absurdum geführt, wenn sich Bewerber sogar selbst für Dumping-Löhne anbieten.

Wustmann 08.04.2010 17:07

AW: Das leidige Thema "Honorar"
 
Dem kann ich mich nur anschließen. Leider sind einige der "Kollegen" maßgeblich mitschuldig am Preisverfall, wenn sie, aus welch absurden Gründen auch immer, für "Honorare" arbeiten, die absolut indiskutabel sind.

Texte-Büro 09.04.2010 03:46

AW: Das leidige Thema "Honorar"
 
Zitat:

Zitat von Wustmann (Beitrag 77451)
Dem kann ich mich nur anschließen. Leider sind einige der "Kollegen" maßgeblich mitschuldig am Preisverfall, wenn sie, aus welch absurden Gründen auch immer, für "Honorare" arbeiten, die absolut indiskutabel sind.

Grundsätzlich bin ich der gleichen Meinung. Auch ich nehme keine Aufträge an, die mit einem Hungerlohn bezahlt werden. Doch was ist ein Hunterlohn? Ich habe zum Beispiel einen Auftraggeber, da verdiene ich pro Wort etwa 35 Cent. Bei einem anderen Kunden gerade einmal 4 Cent. Das klingt wie ein Preisunterschied, ist letztendlich jedoch der gleiche Lohn. Denn bei den gut bezahlten Aufträgen muss ich viel Recherche betreiben, Interviews führen etc. Bei den 4 Cent Texten geht es hingegen nur darum, Nachrichten umzuschreiben. Das ist fix gemacht und ich habe in einer Stunde gut und gerne 25 Euro verdient. Von daher sollte man nicht immer nach dem Wortpreis gehen. 4 Cent je Wort können manchmal mehr sein als 10 Cent je Wort.
Das es einem Journalisten mehr Spaß macht, Recherche zu betreiben und in ein Thema tief einzutauchen, sei mal dahingestellt.

SISCH 09.04.2010 11:33

AW: Das leidige Thema "Honorar"
 
Hier geht es aber weder 10 noch um 35 Cent pro Wort, sondern um maximal 5 Cent. Und zwar nicht dafür, um Nachrichten umzuschreiben, sondern für Reportagen und Interviews.
Dazu passt wohl eher der Satz "Manchmal sind 5 Cent weniger wert als einfach nur auf dem Sofa zu liegen und ein Buch zu lesen".

Stepriec 14.04.2010 12:33

AW: Das leidige Thema "Honorar"
 
Hallo alle Miteinander,

bevor sich alle darüber aufregen, dass ich mich als SEO-Texterin hier einschalte: Auch ich bin vollkommen Eurer Meinung! Nachdem ich zunächst als Online-Journalistin nur für nix bis 2 Cent pro Wort arbeiten konnte (was ich im journalistischen Bereich wirklich eine ziemlich Frechheit finde) habe ich mich auf das Texten suchmaschinenoptimierter Texte spezialisiert. Hier habe ich vor drei Jahren zum sagenhaften Anfängerhonorar von 1,9 Cent pro Wort mit dem Texten begonnen und mir so lange die Finger wund getippt, bis ich beschlossen habe, nicht mehr für meinen damaligen Auftraggeber zu arbeiten. Danach habe ich meine Dienste für 2,5 bis 3,5 Cent pro Wort angeboten und bekam 2008 damit noch jede Menge Aufträge. So habe ich mir einen breiten Erfahrungsschatz beim Texten zulegen können, der sich schließlich auch bezahlt gemacht hat. Heute nehme ich keinen Auftrag unter einem Worthonorar von 4 Cent mehr an. Allerdings arbeite ich gottseidank unter anderem für zwei große Agenturen, die mir bis zu 7 Cent pro Wort bezahlen. Sie sind jedoch leider die absolute Ausnahme. Ich musste in den vergangenen zwei Jahren leider immer häufiger zur Kenntnis nehmen, dass es eine Unmenge von Textern gibt, die für 0,5 bis maximal 1 Cent pro Wort texten und die mir damit meine Auftraggeber streitig machen. Wie diese Leute monatlich über die Runden kommen ist mir ein Rätsel. Wahrscheinlich Studierende oder Dauertipper. Für Leute wie mich wird es jedenfalls immer schwieriger, ohne staatliche Hilfe zu überleben. Und das, obwohl man gerne arbeiten, davon leben und im Gegensatz zu vielen "Billiglöhnern" gute texterische Qualität liefern möchte. Insofern geht es mir also nicht anders, als Euch Kollegen von der journalistisch schreibenden Zunft. Es ist wahrlich eine Frechheit, dass es in beiden Bereichen immer mehr "Berufskollegen" gibt, die den Markt kaputt machen!:-x

Viele Grüße,
Stephanie

Texte-Büro 14.04.2010 13:43

AW: Das leidige Thema "Honorar"
 
Zitat:

Zitat von Stepriec (Beitrag 77515)
Hallo alle Miteinander,
Ich musste in den vergangenen zwei Jahren leider immer häufiger zur Kenntnis nehmen, dass es eine Unmenge von Textern gibt, die für 0,5 bis maximal 1 Cent pro Wort texten und die mir damit meine Auftraggeber streitig machen. Wie diese Leute monatlich über die Runden kommen ist mir ein Rätsel.

Die kommen nicht über die Runden. Ich habe festgestellt, dass die Billig-Anbieter nach einer Zeit entweder verschwunden sind oder eben ebenfalls höhere Preise verlangen. Da ich die Qualität solcher günstigen Texte oftmals gesehen, muss ich jedoch sagen, dass das keine wirklichen Konkurrenten sind

Anna205 14.04.2010 18:47

AW: Das leidige Thema "Honorar"
 
Hallo,

ich bin schon seit längerer Zeit als stille Leserin hier im Forum unterwegs und wollte jetzt einfach mal etwas "Licht ins Dunkel" dieser Frage bringen.

Wie schon richtig angemerkt wurde, bieten sich insbesondere Studierende oder Auszubildende für geringe Löhne an. Es gibt viele Studenten/Azubis, die gerne Journalisten werden wollen und darum der Erfahrung und nicht des Geldes wegen schreiben. Studenten und Azubis haben ihr Geld und brauchen in der Regel keine großen Nebeneinkünfte (dürfen sie in vielen Fällen auch nicht, wegen der Familienversicherung, dem Bafög etc.). Damit sie dennoch möglichst viele Erfahrungen sammeln können, müssen sie sich günstig anbieten - denn es gibt bestimmte Verdienstgrenzen für Kindergeld, Bafög und Familienversicherung, die einfach nicht überschritten werden dürfen.

Wir Studenten brauchen die Schreib-Erfahrungen, damit wir uns später auf dem Arbeitsmarkt behaupten können. Wir können nicht mehr Geld verlangen, weil wir noch keine Profis sind und wie gesagt auch nicht mehr verdienen dürfen. Dürfen zwar schon, aber wenn die Aufträge dann mal ausbleiben, dann sind Familienversicherung, Kindergeld und Bafög trotzdem weg. Bis das neu beantragt und bewilligt ist, vergeht zu viel Zeit. Ihr kennt ja die tolle Bürokratie in Deutschland. Hier wird uns das Verdienen einfach viel zu schwer gemacht.

Klar ist das blöd für euch, das sehe ich ein und verstehe ich auch zu gut. Aber was sollen wir tun? Der Markt ist überfüllt, da können wir nichts dran ändern fürchte ich...

Texte-Büro 14.04.2010 18:55

AW: Das leidige Thema "Honorar"
 
Also das stimmt nicht ganz. Wenn die Aufträge ausbleiben, kann man sich sofort auch wieder familienversichern lassen. Wenn du jedoch nur einen bestimmten Betrag verdienen willst, dann verlang doch trotzdem ein ordentliches Honorar und arbeite dafür weniger. Auch so kommen letztendlich genug Referenzen zusammen. Es ist schließlich nicht das Ziel, in einigen jahren möglichst 100 Referenzen zu haben. Letztendlich weden in den Bewerbungen oder im Lebenslauf eh nur 4 bis 5 Referenzen genannt.

Anna205 14.04.2010 19:03

AW: Das leidige Thema "Honorar"
 
Mir wäre es natürlich auch lieber, mehr zu verdienen und dafür weniger zu arbeiten. Aber sobald man sich als Studentin bewirbt, wird man mit "naja, da bekommen Sie höchstens 3 Cent pro Wort" abgespeist. Ganz egal, wie viele Referenzen man schon vorweisen kann und wie qualitativ hochwertig man schreibt, darauf wird gar nicht erst geachtet...

Als Student muss man den Auftrag dann annehmen, damit man eben überhaupt Erfahrungen sammelt.. das ist eine echte Zwickmühle. So lange es Konkurrenten gibt, die für 2 Cent je Wort schreiben, können wir auch nicht mehr verlangen, sonst sammeln wir nicht genug Erfahrungen.

Texte-Büro 14.04.2010 19:31

AW: Das leidige Thema "Honorar"
 
Dann würde ich die empfehlen, dich als freiberuflicher Journalist bzw. Texterin vorzustellen und nicht zu erwähnen, dass du Student bist.

Anna205 14.04.2010 19:37

AW: Das leidige Thema "Honorar"
 
Aber das müssten dann ja wiederum alle so machen - sonst bringt es ja nichts.

tooobii 14.04.2010 20:21

AW: Das leidige Thema "Honorar"
 
Zitat:

Zitat von Anna205 (Beitrag 77522)
Wie schon richtig angemerkt wurde, bieten sich insbesondere Studierende oder Auszubildende für geringe Löhne an. Es gibt viele Studenten/Azubis, die gerne Journalisten werden wollen und darum der Erfahrung und nicht des Geldes wegen schreiben. Studenten und Azubis haben ihr Geld und brauchen in der Regel keine großen Nebeneinkünfte (dürfen sie in vielen Fällen auch nicht, wegen der Familienversicherung, dem Bafög etc.). Damit sie dennoch möglichst viele Erfahrungen sammeln können, müssen sie sich günstig anbieten - denn es gibt bestimmte Verdienstgrenzen für Kindergeld, Bafög und Familienversicherung, die einfach nicht überschritten werden dürfen.

Wir Studenten brauchen die Schreib-Erfahrungen, damit wir uns später auf dem Arbeitsmarkt behaupten können. Wir können nicht mehr Geld verlangen, weil wir noch keine Profis sind und wie gesagt auch nicht mehr verdienen dürfen. Dürfen zwar schon, aber wenn die Aufträge dann mal ausbleiben, dann sind Familienversicherung, Kindergeld und Bafög trotzdem weg. Bis das neu beantragt und bewilligt ist, vergeht zu viel Zeit. Ihr kennt ja die tolle Bürokratie in Deutschland. Hier wird uns das Verdienen einfach viel zu schwer gemacht.

Vieles davon stimmt sicherlich. Aber: Ich bin Student habe bisher für vier verschiedene Verläge geschrieben bzw. schreibe z.T. immer noch. Und in drei von vier Fällen verdiene ich damit mehr als meine Kommilitonen beim Jobben in Supermarkt oder Bar. Bei der einen Ausnahme war ich sogar noch Schüler. Die Zeitung war über jeden Mitarbeiter froh, da sie eben so schlecht gezahlt hat, dass kaum jemand dafür arbeiten wollte.

Natürlich hat man als Student nicht den Verhandlungsspielraum eines hauptberuflichen freien Journalisten. Nur, wo hat man den heute noch? Ich glaube nicht, dass Freie bei einem der mir bekannten Blätter überhaupt Verhandlungsspielraum hätten. Da wird einfach von oben diktiert, was gezahlt wird und aus.

Wustmann 15.04.2010 14:22

AW: Das leidige Thema "Honorar"
 
Zitat:

Zitat von Anna205 (Beitrag 77525)
Mir wäre es natürlich auch lieber, mehr zu verdienen und dafür weniger zu arbeiten. Aber sobald man sich als Studentin bewirbt, wird man mit "naja, da bekommen Sie höchstens 3 Cent pro Wort" abgespeist. Ganz egal, wie viele Referenzen man schon vorweisen kann und wie qualitativ hochwertig man schreibt, darauf wird gar nicht erst geachtet...

Als Student muss man den Auftrag dann annehmen, damit man eben überhaupt Erfahrungen sammelt.. das ist eine echte Zwickmühle. So lange es Konkurrenten gibt, die für 2 Cent je Wort schreiben, können wir auch nicht mehr verlangen, sonst sammeln wir nicht genug Erfahrungen.

Schonmal darüber nachgedacht, dass die Auftraggeber das eben deshalb so machen, weil es genügend Leute gibt, die - bitte entschuldige die Offenheit - blöd genug sind, sich damit abspeisen zu lassen?

Selbstverständlich bekommt ein Student weniger als jemand, der den Beruf schon lange Zeit ausübt, angemessen sollte es dennoch sein.

Wustmann 15.04.2010 14:29

AW: Das leidige Thema "Honorar"
 
Noch ein Nachtrag zum Thema Studium, da ich auch bereits während des Studiums geschrieben habe: Einerseits kann ich die "Referenzsammelzwickmühle" verstehen, andererseits gibt es zahlreiche Online- und Printmedien von hoher Qualität, die sich als Referenzen sehen lassen können, für die man ehrenamtlich arbeitet, weil sie nicht oder in zu geringem Maße komerziell ausgerichtet sind.

So habe ich es auch oft gehalten. Ehrenamtlich für Redaktionen zu arbeiten ist in Ordnung, aber zu Hungerlöhnen zu arbeiten für Redaktionen, deren Qualität dann meist auch dementsprechend ist, ist indiskutabel.

Auch später gibt es sicher immer mal wieder Projekte, an denen man für wenig Geld arbeitet, etwa weil sie einem persönlich wichtig sind. In der Kategorie reiner Auftragsarbeiten zum Broterwerb sollte man sich aber nie unter eine angemessene Bezahlung drücken lassen, denn je mehr das tun (ob nun Studenten oder Profis), desto schlechter wird die Marktlage für alle, und desto schlechter wird die journalistische Qualität (die in Deutschland schon ohnehin nicht berauschend ist).

Was SEO-Texte angeht: Das ist m. E. ein ganz anderes Thema, eine ganz andere Art von Arbeit und sollte vom Journalismus auch strikt getrnnt werden.

Anna205 15.04.2010 19:27

AW: Das leidige Thema "Honorar"
 
Hallo Wustmann,

vielen Dank für die Antwort und deine Ansicht.

Natürlich hast du Recht, die Marktsituation wird dadurch nicht verbessert. Das ist das Problem. Aber so lange wir nicht alle an einem Strang ziehen und wirklich jeder auf höhere Löhne besteht, kommen wir nicht weiter. :(

Übrigens: Wenn du einen guten Tipp hast, wo man als Student (auch ehrenamtlich) in einem qualitativ hochwertigen Magazin publizieren kann, dann wäre ich wirklich dankbar, wenn du mir einen geben würdest. :-)


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