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Undine111 27.05.2007 10:32

Doktorarbeit auf dem Weg zum Volo?
 
Ich habe jetzt schon mehrmals hier gelesen, dass einige Leute noch promovieren, während sie auf ein Volo warten. Mir geht`s so wie vielen anderen: trotz einiger Praktika, Hospitanzen, freier Mitarbeiten dauert es noch bis zum definitiven Einstieg in den Beruf, auch wegen der meistens längerfristigen Bewerbungsverfahren. Mein Prof hat mir jetzt vorgeschlagen, doch noch eine Diss zu schreiben. Weil ich allerdings "nur" mit 2,0 abgeschlossen habe, kann er mir eher keine Hoffnung auf ein Stipendium machen, die Förderungsmittel seien in Deutschland leider extrem begrenzt. Ich hätte große Lust dazu, interessiere mich für mein Fach und tendiere auch stark zum Wissenschaftsjournalismus, insofern wär das Projekt vielleicht keine schlechte Idee.

Worauf ich eigentlich hinauswill: Momentan bin ich ja als "Freie" unterwegs und kann mir grade so mein Leben finanzieren. Wie macht ihr das? Oder die Leute, die ihr kennt und die Zeit bis zum Volontariat "mit einer Doktorarbeit überbrücken"? Haben die ein Stipendium oder eine Anstellung als wiss. Mitarbeiter? Kann man die Promotion im Alleingang schaffen? Was ratet ihr mir? Würde mich über Infos freuen...

Was mir auch immer mal wieder durch den Kopf geistert: Sollte ich es im Journalismus nie "schaffen" - ist ja bei der aktuellen Situation nicht ganz unmöglich - also nie wirklich "Karriere" machen, ist dann ein Doktortitel nicht eher peinlich ;-)? Damit sollte schon eine entsprechende Position einhergehen, meint ihr nicht?

Lg
Undine

Kris23 27.05.2007 12:59

AW: Doktorarbeit auf dem Weg zum Volo?
 
Also letzterem kann ich nicht zustimmen. Eine Promotion ist eine Entscheidung zu einem gewissen Zeitpunkt und erfordert eine wissenschaftliche Leistungskraft und der Erwerb dieses Titels kann doch niemals peinlich sein und nur für hochgradige Karrieristen gelten. Das dazu. Etwas problematischer stelle ich mir bisweilen die Jobperspektiven vor, insofern als das man den Vorwurf einer Überqualifizierung bekommt. Aber entsprechend sollte man sich dann eben die Jobs aussuchen. Problem dabei ist ja nur, dass man sich das oft leider nicht wirklich so aussuchen kann. Was die Kombination mit einer Promotion angeht - erst letzte Woche sagte mir ein freier Journalist des WDRs, das es das Wichtigste sei Entscheidungen zu treffen. Entweder man promoviert oder man ist freier Journalist. Ich denke aber, dass das natürlich eine völlig individuelle Sache ist und Dir sowas nicht den Wind aus den Segeln nehmen sollte. Allerdings finde ich auch die Überbrückung bis zu einem Volontariat mit einer Promotion eher schwierig. "Nur" zur Überbrückung ohne Abschluß, finde ich auch zu wenig an Entscheidung/zu unkonkret und macht sich vll im Lebenslauf nicht gut. Wenn ich Dich aber richtig verstanden habe, dann würdest Du die Promotion parallel abschließen wollen - das wird zwar ein hartes Stück Arbeit, aber wenn Du die Möglichkeit siehst... Dann würde ich an Deiner Stelle noch - gerade im Bereiche Wissenschaftsjournalismus, für den Du Dich interessierst - Leute nach den Jobperspektiven fragen. Erstens in Abhängigkeit von dem Bereich, zweitens vll auch von dem Thema und drittens welche Relevanz der Titel dann haben kann und ober er sich tatsächlich eher problematisch als vorteilhaft auswirken könnte.

Viel Erfolg und viele Grüße
Kris

NowhereGirl 27.05.2007 13:27

AW: Doktorarbeit auf dem Weg zum Volo?
 
Hi,
ich promoviere seit Anfang des Jahres und arbeite nebenbei als Freie für eine Zeitung und gelegentlich für Radio und ein Interviewmagazin. Finanziert werde ich zu einem großen Teil noch von meinen Eltern. Ich habe mich für die Promotion entschieden, weil ich kein Volo bekommen habe und habe es bisher nicht bereut.

Etwas schwierig ist es, die freie Arbeit und die Doktorarbeit unter einen Hut zu bekommen - ich habe oft das Gefühl, beides nicht so gut zu machen, wie ich könnte, weil ich immer hin- und herswitche. Aber ich denke es ist ziemlich wichtig, am Ball zu bleiben und nicht "nur" zu promovieren und die Praxis dabei völlig aus den Augen zu verlieren. Schaden kann ein Doktortitel denke ich nicht, und peinlich muss er schon gar nicht sein. Wichtiger für den Journalismus ist aber dennoch die Praxis.

Wie alt bist du denn? Wenn du schon um die 30 bist, würde ich es vielleicht lassen, weil es dann immer schwerer wird, ein Volo zu bekommen. Aber wenn du noch drunter liegst: warum nicht! Ich persönlich finde es auf jeden Fall sinnvoller, als einen Praktikumsmarathon zu starten, der zu nichts führt.

Und falls das mit dem Journalismus nichts werden sollte, ist ein Doktortitel oft sehr begehert - gerade Unternehmen und Organisationen holen sich gerne Doktoren ins Haus.

jessijeff 01.06.2007 11:35

AW: Doktorarbeit auf dem Weg zum Volo?
 
Ich denke, dass eine Promotion nie der falsche Weg sein kann. Auch ich habe mich dazu entschlossen zu promovieren. Hab vor zwei Monaten mein Studium abgeschlossen und der Prof hat mich gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte. Zu dem Zeitpunkt bin ich allerdings noch davon ausgegangen, dass ich irgendwie eine Chance auf dem Arbeitsmarkt habe und habe ihm erklärt, dass ich in erster Linie als freie Journalistin bei der WAZ arbeiten möchte und wenn, dann nur nebenbei promoviere. Aber schon nach wenigen Wochen habe ich gemerkt, dass das "nebenbei" schwer zu verwirklichen ist. Wenn einem ein paar Stunden am Tag für die Promotion bleiben, bringt das nichts. Kaum hat man sich ein wenig eingelesen, hat man schon keine Zeit mehr.
Da ich, wenn überhaupt, frühestens 2009 ein Volo bei der WAZ bekomme und ich bei anderen Zeitungen wenig Chancen sehe, habe ich mich jetzt dazu entschlossen mich um ein Stipendium zu bemühen, um die Promotion in einem ordentlichen finanziellen und arbeitszeitlichen Umfeld zu beenden. Eine wissenschaftliche Laufbahn würde für mich genauso in Frage kommen, wie eine journalistische.
Also: ich kann allen nur raten, sich vorerst für eine Sache zu entscheiden. Freie Mitarbeit und Promotion ist meines Erachtens nach kaum zu schaffen, wenn man nicht vollständig auf ein Privatleben verzichten möchte. Außerdem ist der Weg in den Journalismus nach der Promotion, wenn man noch unter 30 ist, lange nicht verbaut.

Malina 01.06.2007 12:50

AW: Doktorarbeit auf dem Weg zum Volo?
 
Zitat:

Zitat von Undine111
Was mir auch immer mal wieder durch den Kopf geistert: Sollte ich es im Journalismus nie "schaffen" - ist ja bei der aktuellen Situation nicht ganz unmöglich - also nie wirklich "Karriere" machen, ist dann ein Doktortitel nicht eher peinlich ;-)? Damit sollte schon eine entsprechende Position einhergehen, meint ihr nicht?

Lg
Undine

Hm, wieso mit einer "entsprechenden Position" einhergehen?

Beste Grüße
Malina

Undine111 01.06.2007 15:59

AW: Doktorarbeit auf dem Weg zum Volo?
 
Kris, NowhereGirl und Jessijeff: Vielen Dank für eure hilfreichen Antworten und Tips, ich werde mir einiges davon mal durch den Kopf gehen lassen. Auch bei mir kam das Angebot durch den Prof, deshalb wollte ich schon gründlich darüber nachdenken, bevor ich ablehne. Es stimmt, fünf (bald sechs) freie Mitarbeiten machen viel Arbeit, auch eine Diss ist ein Mammutprojekt, zeit- und geldaufwendig. Ob beides für mich gleichzeitig machbar ist - das müsste ich ausprobieren und werde es wohl auch tun. Falls es absolut nicht funktioniert, entscheide ich mich auf jeden Fall zugunsten der journalistischen Jobs: jetzt gute Branchen-Kontakte einschlafen zu lassen, wäre wahrscheinlich tödlich, denn sie sind schließlich, und jetzt wird`s melodramatisch ;-), meine Straßenschilder auf dem Weg in die Zukunft.
Viele Grüße
Undine

jessijeff 02.06.2007 11:27

AW: Doktorarbeit auf dem Weg zum Volo?
 
Naja, habe mir auch überlegt, ob ich es will, meinen langjährigen Journalistentraum jetzt so einfach an den Nagel zu hängen. Aber sollte ich das Stipendium bekommen, kann ich immerhin noch nebenbei bis zu fünf Stunden in der Woche arbeiten. Das würd ich dann bei der WAZ tun. So hab ich weiter ein Bein drin, schraub das Pensum nur zurück. Ob das dann am Ende allerdings für ein Volo reicht, ist natürlich fraglich. Was meint Ihr?

punky 02.06.2007 12:35

AW: Doktorarbeit auf dem Weg zum Volo?
 
Für ein WAZ-Volo musst du dich doch eh bei der Journalistenschule bewerben. Warum hast du das nicht im März gemacht? Dann hättest du - bei einer Zusage - spätestens im Januar anfangen können.
Wenn du dich 2008 bewirbst und sagst, dass du sofort (im Sommer) anfangen kannst, könnte das auch klappen. Letztes Jahr hat auch mind. einer schon kurz nach der Zusage angefangen.

jessijeff 02.06.2007 19:45

AW: Doktorarbeit auf dem Weg zum Volo?
 
Es gibt ja zwei Möglichkeiten bei der WAZ an ein Volo zu kommen. Entweder man bewirbt sich intern bei der WAZ oder extern bei der Journalistenschule selbst. Habe beides versucht und zwei Ablehnungen erhalten. Bei der WAZ-Ablehnung war ich sehr enttäuscht, weil ich echt damit gerechnet habe zum Test zugelassen zu werden. Nächstes Jahr müsste es unter normalen Bedingungen aber endgültig klappen. Dass man dann wenig später anfangen kann, wusste ich noch gar nicht, punky, macht mir aber wieder neuen Mut, dass die Wartezeit vielleicht doch nicht mehr so lang ist. Aber dennoch: Die Bewerbung für das Stipendium werde ich auf jeden Fall nebenbei laufen lassen. Dauert ja schließlich so rund ein halbes Jahr bis alles durch ist.


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